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Remscheid
Stadt hat genügend billigen Wohnraum

Remscheid. Für Leistungsempfänger muss Remscheid relativ wenig Miete bezahlen. Schlüssiges Konzept rechtfertigt Preisgrenzen. Von Solveig Pudelski

Eine gute Botschaft für eine finanzschwache Stadt wie Remscheid: Wer auf staatliche Unterstützung wie Hartz IV oder Grundsicherung im Alter angewiesen ist, wohnt hier günstig. Die Kommune zahlt nicht zu viel und derzeit muss niemand ausziehen, weil er in einer zu großen und teuren Wohnung residiert. Das kann sie anhand eines sogenannten "schlüssigen Konzepts" nachweisen, das am 1. Oktober in Kraft trat, berichtet Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Es sagt aus, welche Kosten der Unterkunft in der jeweiligen Stadt angemessen sind, so wie es das Sozialgesetzbuch vorschreibt. Die Verwaltung weiß anhand zweier Erhebungen, dass es hier ein ausreichendes Angebot preiswerten Wohnraums gibt und dass sie mit ihrer bisherigen Preisgrenze richtig lag.

Während in Rheinmetropolen und Uni-Städten Mieten teuer sind und dringend neue Sozialwohnungen gebaut werden müssten, kann man hier nicht nur in Sozialwohnungen, sondern auch in frei finanzierten Wohnungen billig wohnen. Das ergab die Untersuchung für den neuen Mietspiegel und eine von der Stadt beauftragte Erhebung eines Hamburger Beratungsunternehmens. "Dabei handelt es sich allerdings um einfachen Wohnraum", sagt Johannes Günther.

Er arbeitet im Dezernat Bildung, Jugend, Soziales, Gesundheit und Sport der Stadt und hat kommunale Richtlinien erarbeitet, die besagen, unter welchen Maßgaben die Kosten für die Unterkunft nicht geprüft werden müssen, weil sie im Rahmen sind. Immerhin gibt es hier fast 9000 Haushalte, deren Mieten von der Stadt bezahlt oder mitbezahlt werden. Weitere 5200 Haushalte fragen günstigen Wohnraum nach - fast jeder vierte Haushalt will also billig wohnen. Und der Markt gibt es offenbar her, weil es in Remscheid überwiegend ältere Mietwohnungen, oft in einfachen Nachkriegsbauten, gibt, sagt Günther.

Heile Wohnwelt also? Nein, weil die Wohnungen häufig schlecht isoliert sind und die Heizkosten daher hoch, gibt es einen hohen Sanierungsbedarf. Die Stadt gewährt Vermietern als Anreiz in die energetische Gebäudesanierung zu investieren, einen "Klima-Bonus": Die Netto-Kaltmiete für Leistungsempfänger darf zum Beispiel bei einer 50 Quadratmeter-Wohnung für einen Einpersonen-Haushalt 47 Cent mehr kosten, wenn 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Heizkosten unterschritten werden. Zum Umzug gezwungen werden die Leistungsempfänger auch dann nicht, wenn die Wohnung zwar über der Grenze liegt, ein Umzug aber unwirtschaftlich wäre.

Anpassungsbedarf im Wohnungsmarkt gibt es hinsichtlich der Barrierefreiheit. Große Wohnungsbauunternehmen wie die Gewag investieren daher in ihren Altbestand oder in kleinere neue Objekte, die auch für Ältere und Behinderte geeignet sind.

Quelle: RP
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