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Ema Vor 76 Jahren
Erinnerung an "Töff" und "Pille"

Remscheid. Fast wirkt es wie ein Klassentreffen: Hans Euler, Werner Kürchner und Wolfgang Börsch sitzen im ihrer ehemaligen Schule zusammen und schwelgen in Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA). Die drei Herren gehören zum Einschulungsjahrgang von 1940 und können noch viel über Prügelstrafen, Schülerstreiche und Lehrerpersönlichkeiten erzählen. An die Spitznamen ihrer Lehrer wie "Töff" oder "Pille" erinnern sie sich, als sei es erst gestern gewesen. Der Besuch der ehemaligen EMA-Schüler ist aber nicht nur ein Schwelgen in der Vergangenheit. Er dient vor allen Dingen dazu, heutigen Gymnasiasten die Lebensrealität der Schüler während der Kriegsjahre näher zu bringen. In drei siebten Klassen haben sich Kürchner und Euler bereits den interessierten Fragen der Jugendlichen gestellt. "Wir beide waren überrascht von der Disziplin und dem Interesse der Schüler", sagt Hans Euler.

Da die Klassen im Deutschunterricht das Buch "Der Junge im gestreiften Pyjama" bearbeiten, drehten sich die Fragen vor allem um das Verhältnis der Beiden zu jüdischen Mitschülern. "Die gab es bei uns aber gar nicht", merkt Kürchner an. Euler gibt allerdings zu: "Wir waren so eingebräunt, wir haben einen Bogen um die jüdischen Menschen gemacht". "Man hatte nicht groß eine Meinung, man hatte zu parieren", fügt Kürchner hinzu. Diese Ehrlichkeit schätzt Deutschlehrerin Katja Krempel: "Für die Kinder ist das schwer zu verstehen, warum niemand eingegriffen hat. Deshalb ist es wichtig, aus erster Hand zu erfahren, wie es früher war". Finn (13) und Meles (12) hat das Treffen mit den Senioren nachhaltig beeindruckt. "Es ist zwar manchmal hart zu hören, aber auch interessant", sagt Finn. Neben dem Austausch besteht von schulischer Seite aus auch das Interesse daran, mehr über die schuleigene Geschichte zu erfahren. Werner Kürchner hat zum Beispiel einen Eintrag in Süterlin aus dem Brandwachen-Buch zum Angriff vom 30. Juli 1943 übersetzt, bei dem es die Schule schwer getroffen hat. Die Drei waren zu dieser Zeit schon durch die Kinderlandverschickung in Steinbach bei Johanngeorgenstadt mit rund 70 Mitschülern untergebracht.

Der Kontakt zu den Ehemaligen ist im Rahmen der Aufarbeitung zur Geschichte der jüdischen EMA-Schüler entstanden. "Wir haben Dinge und wissen gar nicht, was das ist. Da können uns die Herren helfen", erklärt Olaf Wiegand, stellvertretender Schulleiter. Sie wüssten vieles, das nicht in den Akten stehe. Da das Schularchiv neu angelegt werden soll, freut sich Wiegand über alle alten Bilder, Dokumente oder andere Dinge, die ehemalige EMA-Schüler zur Verfügung stellen können. Anna Mazzalupi

Quelle: RP
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