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Remscheid
Stehende Ovationen schon zur Halbzeit

Remscheid: Stehende Ovationen schon zur Halbzeit
Soul-Sänger Max Mutzke und die Bergischen Symphoniker begeisterten im ausverkauften Teo Otto Theater mit dem neuen Konzertformat "On Fire". FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Das neue Konzertformat der Bergischen Symphoniker "On Fire" hat sich als riesiger Erfolg entpuppt. Das Teo Otto Theater war am Samstagabend beim gemeinsamen Konzert mit dem Soul-Sänger Max Mutzke ausverkauft. Von Wolfgang Weitzdörfer

Das Konzept ist aufgegangen, und zwar mit einem Erfolg nach Maß. Am Samstagabend war das Teo Otto Theater ausverkauft, als das neue Konzertformat der Bergischen Symphoniker, symptomatisch "On Fire" genannt, sein Debüt feierte. Zum Auftakt hatten sich die Symphoniker in kleiner Besetzung mit dem Soul-Sänger Max Mutzke zusammengetan. Unter der künstlerischen Leitung von Miki Kekenj, der auch für sämtliche hervorragenden Arrangements verantwortlich zeichnete, verwandelte der sympathische Mutzke mit den bestens aufgelegten Symphonikern den Saal in einen echten Hexenkessel.

Eine gewisse Aufregung vor diesem Experiment war Kekenj anzumerken, aber als er sich nach dem ersten Stück, einer Kleinigkeit von Mozart, quasi als konventionelle Eröffnung, umdrehte und in den Saal sprach: "Ich kann zwar nicht richtig sehen, aber ich glaube, es ist voll", merkte man, dass mit dieser Erkenntnis auch die Anspannung von ihm abfiel. Und ihn zum selbstbewussten Statement hinriss: "Warum machen wir 'On Fire'? Weil wir es können."

Dann kam Mutzke unter dem Jubel des Publikums im lässigen Anzug-Outfit auf die Bühne. Eine kleine Geste besagte: "Jetzt wartet doch mal ab..." Aber dieses Understatement war gar nicht nötig, denn schon die ersten Töne von "I Owe You" im Klassik-Pop-Arrangement machten deutlich, dass die Fusion mehr als nur gut funktionierte. Natürlich lag das auch daran, dass da absolute Vollprofis auf der Bühne agierten. Und das merkte das Publikum ebenfalls. Was dann schon nach dem ersten Stück für Applaus sorgte, wie es ihn sonst nur in anderen Spitzenkonzerten nach der fünften Zugabe gibt.

Dabei war der Abend noch mit vielen weiteren Höhepunkten gespickt. Etwa als in Mutzkes Lied "Telefon" im Mittelteil mal eben ein Walzer eingebaut wurde. Oder als das nachdenkliche "Spür dein Licht" gleich tonnenweise Soul übers Publikum auskippte. Und nicht zu vergessen, jene unfassbar großartig arrangierte Version von Michael Jackson Hit "Billy Jean". Das neue Arrangement von Kekenj war so kunstvoll und im positiven Sinne verschroben, dass es einige Augenblicke dauerte, bis im Publikum der Groschen der Erkenntnis fiel.

Nur folgerichtig gab es an diesem Abend der Superlative schon zur Halbzeit die ersten Standing Ovations. Eigentlich wollte man gar keine Pause, eigentlich wollte man nur mehr Musik hören. Und als nach der Pause mit Radioheads "Creep" mit der unvergleichlichen Intensität eines Thom Yorke gesungen wurde, begleitet von den Symphonikern in einer zerbrechlichen und reduzierten Version, war endgültig klar, dass das Publikum hier Zeuge von einer ganz besonderen Zusammenarbeit wurde.

Natürlich durfte auch Mutzkes wohl größter Hit "Schwarz auf Weiß" in einer schwül-erotischen Tango-Version nicht fehlen. Bewundernswert war vor allem die großartige Darbietung des Orchesters, und natürlich seine Bereitschaft, sich auch auf dieses eher ungewöhnliche Projekt einzulassen. Einen Ausblick auf die dritte "On-Fire"-Veranstaltung am 14. Juli gab es dann mit einem weiteren Höhepunkt: das "Adagio For Strings", jene zu Tränen rührende Musik aus Oliver Stones Anti-Kriegs-Epos "Platoon". Die vielbejubelte Zugabe "Can't Wait Until Tonight" kam dann viel zu früh. Blieb die Frage zum Schluss: Wann gibt es die CD zu diesem unfassbar großartigen Abend?

Quelle: RP
 
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