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Remscheid
Sternstunde in der Lutherkirche

Remscheid: Sternstunde in der Lutherkirche
Bild der Harmonie: Die vier Gesangssolisten vor dem großen Chor in der Lutherkirche. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Bei der Aufführung von Verdis "Messa da Requiem" sorgen 160 Stimmen für ein beeindruckendes Konzerterlebnis. Von Stefanie Bona

Die Remscheider Konzertlandschaft erlebte am Samstagabend eine Sternstunde, die den Besuchern in der nahezu ausverkauften Lutherkirche sicher noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird. Ein klares Indiz für die Qualität der Aufführung von Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" und damit für ein packendes Musikerlebnis war das lange Zögern des Publikums, bevor nach dem letzten Ton ein minutenlanger Applaus und Standing Ovations ein außergewöhnliches Konzert würdigten.

Christoph Spengler als Dirigent und musikalischer Gesamtleiter war die Freude und Rührung über eine derart großartige, homogene Leistung aller Beteiligten sichtlich anzumerken. Spengler seinerseits führte den 160-köpfigen Chor aus Mitgliedern des Remscheider Mozart-Chors und des Kirchenchores St. Nikolaus Bensberg sowie die Musiker des Russischen Staatsorchesters Kaliningrad mit großer Sicherheit und Souveränität.

Dies zeigte sich am eindrucksvollsten in der feinen Nuancierung des dramatischen, sich durch das Werk an verschiedenen Stellen ziehenden Schreies "Dies Irae", mit dem die stets präsenten Choristen dem Tag des Jüngsten Gerichts einen klanglichen Ausdruck verliehen, der den Zuhörer bis ins Mark traf. Wie ein Dialog war im zweiten Satz das Intermezzo der Blechbläser aufgebaut, von denen zwei von der Empore aus spielten.

Gut tat der Aufführung zweifellos das Quartett der Gesangssolisten. Nur sehr selten hört man bei derlei Anforderungen an Kraft und Expressivität vier Stimmen auf einem derart gleich hohen Niveau. Allen voran die schwedische Mezzosopranistin Maria Forsström, die ihre umfangreiche Partie herausragend und mit einem unverwechselbaren Timbre meisterte.

Die junge Anna Nesyba begeisterte mit einem mädchenhaft-leichten, aber dennoch beeindruckend kraftvollen Sopran, der sich verschiedentlich engelsgleich über dem Chorgesang erhob. Dem standen Vinzenz Haab (Bass) und Tenor Cesar Gutierrez in nichts nach.

Erstaunlich ist zudem, wie das große Ensemble aus professionellen Konzertsängerinnen und -sängern sowie Orchestermusikern mit den zweifellos mit vielen guten und tragenden Stimmen besetzten Chören aus ambitionierten Laien so harmonisch zusammenwirkte. Flehen und Klagen, Zaudern und Zagen, Bitten und Beten, existenzielle Not und leise Hoffnung - all das kam in dieser Darbietung von Verdis Totenmesse zum Ausdruck.

Am Schluss stand das hingebungsvoll gesungene "Libera me Domine"- "Befreie mich Herr" mit einer sanften Zuversicht auf die Vergebung aller Schuld und ein ewiges Leben nach dem Tod. Ein kleines Licht in vollkommener Dunkelheit, welches das Auditorium dankbar mit nach Hause nahm.

Quelle: RP
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