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Remscheid
Streit im Allee-Center: Weitere Zeugen sollen gehört werden

Remscheid: Streit im Allee-Center: Weitere Zeugen sollen gehört werden
Ein 63-Jähriger (re.) plädiert auf Notwehr. Sein Anwalt tritt im Berufungsverfahren an, um einen Freispruch zu erwirken. Foto: Maguire FOTO: Maguire Sabine
Remscheid. Sie begegneten sich zufällig im Allee-Center und gerieten in Streit. Am Ende wachte einer der beiden Männer auf der Intensivstation auf. Der andere sitzt mehr als zwei Jahre nach diesem Vorfall nun erneut auf der Anklagebank. Diesmal am Wuppertaler Landgericht, nachdem die Staatsanwaltschaft und auch der Angeklagte nach dem erstinstanzlichen Urteil umgehend Berufung eingelegt hatten. Von Sabine Maguire

Ein Jahr Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde: Dazu hatte das Amtsgericht Remscheid den 63-Jährigen im Dezember des vergangenen Jahres verurteilt. Der hingegen plädierte auf Notwehr - sein Anwalt trat im Berufungsverfahren an, um einen Freispruch zu erwirken. Das sah die Staatsanwaltschaft wiederum anders. Man sehe es als erwiesen an, dass der Angeklagte das Opfer mit dessen Gehstock geschlagen und gegen den Kopf getreten haben soll. Zeugen, die diese Abläufe bereits vor dem Amtsgericht zu Protokoll gegeben hätten, seien nicht ausreichend gewürdigt worden.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt. Zudem sah man es als nicht angemessen an, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden sei. "Der Angeklagte stand zum Tatzeitpunkt bereits unter Bewährung, was ihn nicht von dieser erneuten Tat abgehalten hat", stellte die Staatsanwältin die ausgestellte positive Sozialprognose in Zweifel.

Aber was war überhaupt passiert an diesem Tag im August 2015? Auch wenn die Begegnung im Allee-Center eher zufällig gewesen zu sein scheint, so war es wohl dennoch ein Streit mit Ansage. Der Angeklagte - ein Remscheider Immobilienmakler - und sein späteres Opfer kannten sich durchaus. Der eine Vermieter, der andere Mieter einer Wohnung an der Elberfelder Straße.

Schon seit Jahren soll es Auseinandersetzungen um die im Winter abgedrehte Heizung gegeben haben. Und dann war da plötzlich diese Nebenkostenabrechnung im Briefkasten des späteren Opfers. Dass er im Winter frieren müsse und dennoch 139 Euro nachzahlen sollte, wollte der Mann nicht einsehen. Mit dem Brief in der Jackentasche setzte er sich im Allee-Center auf eine Bank, um ausgerechnet dort dem Vermieter zu begegnen. Aus Sicht des Opfers soll dann alles ganz schnell gegangen sein: Ein kurzer Wortwechsel, der Vermieter habe nach seinem Gehstock gegriffen und ihm damit sofort auf das linke Auge geschlagen. Er sei bewusstlos zu Boden gegangen und habe mehrere Tage im Koma gelegen. "Die Welt war dunkel geworden", erinnert sich der 65-Jährige. Es folgten mehrere Operationen, bis heute sehe er Doppelbilder. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus habe ihm der Vermieter dazu noch "Schweigegeld" angeboten, wenn er von einer Anklage absehen würde.

Zeugen wiederum schilderten die Geschehnisse anders. Entgegen der Aussage des Opfers, es habe vor dem Schlag mit dem Gehstock keine körperliche Auseinandersetzung gegeben, wollen sie eine Rangelei gesehen haben. Inmitten derer sei das spätere Opfer auch noch in eine Glasvitrine des Juweliers Christ gefallen. Schlussendlich habe der Mann auf dem Boden gelegen. "Dort ging es dann weiter mit der Prügelei", erinnerte sich eine Zeugin. Daran, wer genau auf wen eingeschlagen hat, konnte sich die Frau hingegen nicht mehr erinnern. Vor Angst habe sie immer wieder weggeschaut, um sich schlussendlich als Arzthelferin um das verletzte Opfer zu kümmern. Weitere Zeugen sollen gehört werden, das Verfahren wird fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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