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Remscheid
Syrer sorgt für Integration beim Sport

Remscheid: Syrer sorgt für Integration beim Sport
Mohamad Diab (Mitte) arbeitet beim Sportbund. Daniela Hannemann und Reinhard Ulbrich freuen sich darüber. FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Mohamad Diab (51) hat beim Sportbund einen festen Arbeitsplatz. Richard Otto Bremicker zahlt das Nettogehalt. Von Stefanie Bona

Für den Moment ist Mohamad Diab ein glücklicher Mann - ohne die traumatischen Erlebnisse seiner Fluchtgeschichte ganz hinter sich lassen zu können. Vor vier Wochen konnte er seine Familie endlich in die Arme schließen, die ihm aus der Türkei nach Deutschland gefolgt ist. Zudem hat er einen Job, der ihm neue Perspektiven ermöglicht und ein Einkommen für seine Lieben sichert.

Zum 1. Juni hat der Syrer beim Sportbund Remscheid seine Stelle als "Fachkraft für Integration mit und durch Sport" angetreten. Grundlage für diese Aufgabe war die Feststellung, dass man die Asylbewerber zwar liebend gerne in die Programme der Sportvereine integrieren möchte, dies aber ohne einen Koordinator mit den entsprechenden Sprachkenntnissen schwierig ist. Einen breiten Aufgabenkatalog - angefangen von der Netzwerkarbeit bis hin zur Entwicklung von neuen Maßnahmen zur Integration - umfasst die Stellenbeschreibung.

Mit dem exzellent deutsch sprechenden Mohamad Diab, so sind sich Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich, Geschäftsführerin Daniela Hannemann und auch Stellen-Sponsor Richard Otto Bremicker einig - wurde der richtige Mann für diese Tätigkeit gefunden. Während der Sportbund die Nebenkosten für die Vollzeit-Anstellung trägt, übernimmt der in der Remscheider Flüchtlingshilfe aktive Bremicker das Nettogehalt. "Integration fängt bei Engagement und persönlicher Betreuung an", ist er überzeugt.

Von 1986 bis 1992 lebte Diab in Bonn. Dort arbeitete er wie sein Bruder bei der syrischen Botschaft. Dann kehrte er in die Heimat zurück, absolvierte seinen Militärdienst und war mit einem Im- und Exportgeschäft erfolgreich selbstständig. Dann kam im März 2011 nach Demonstrationen gegen das Regime der Bürgerkrieg, der bis heute unendliches Leid, Zerstörung und Tod über das Land bringt. Mit seiner Frau und den vier Kindern floh der heute 51-Jährige zunächst nach Ägypten und später in die Türkei. Doch es gab keine Visa für Deutschland. "Ich beherrsche die Sprache. Da lag es nahe, dass wir nach Deutschland wollten", sagt er. Den einzigen Ausweg sah er darin, mit dem zweitältesten, damals 13-jährigen Sohn zu Fuß über die Berge die Flucht fortzusetzen. Bei strengstem Frost schlugen sich die beiden bis nach Deutschland durch. Vom 8. Januar bis zum 12. Februar 2015 dauerte der Marsch, diese Daten vergisst er nicht.

Von Beginn an suchte er nach Arbeit. Dem deutschen Staat wolle er nicht zur Last fallen, betont er. Beim Sportbund hat er damit begonnen, die deutschen Prospekte und Flyer ins Arabische zu übersetzen, damit die verschiedenen Angebote den Asylbewerbern nahe gebracht werden können.

Die Stelle ist auf Dauer angelegt, Reinhard Ulbrich hofft, langfristig eine Finanzierung auf die Beine stellen zu können. Aktuell sei dieses Modell aufgrund des konstruktiven Miteinanders von institutionellem und privatem Engagement ein Leuchtturmprojekt. Neben dem Einsatz von Richard Otto Bremicker hat die Stadtsparkasse den Arbeitsplatz von Mohamad Diab finanziert. Bremicker, der schon viel Geld unter anderem in ein gezieltes Sportprogramm von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen investiert hat, hofft, dass es ihm andere gleichtun. Weitere Ideen lägen in der Schublade und müssten nur verwirklicht werden.

Quelle: RP
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