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Remscheid
Tafel kann niemanden mehr aufnehmen

Remscheid: Tafel kann niemanden mehr aufnehmen
Das Team von der neuen Ausgabestelle der Tafel am Hasten mit Tafelchefin Sandra Kubiak. Die Tafel ist so nah an den Bedürftigen. Die vielen Standorte sind eine zusätzliche logistische Herausforderung. FOTO: Jumo (Archiv)
Remscheid. Mit der Zahl der Flüchtlinge steigt auch die Zahl der Bedürftigen. Tafel sucht nach neuer Strategie, besser zu verteilen. Von Lisa Kreuzmann

Oliver Witte ist zögerlich. "Natürlich finden das einige ungerecht", sagt der erste Vorsitzende. Er möchte die Parolen nicht befeuern, aber erst recht niemanden ausschließen, oder ausgrenzen müssen. Und dabei steht die Remscheider Tafel momentan vor einem Problem.

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"Noch sind die Lebensmittel ausreichend", sagt der Leiter der Tafel. Doch ausreichend heißt in diesem Fall auch, dass die Tafel vorest keine weiteren Lebensmittelkarten mehr ausstellen kann, um sich auf die neue Situation einstellen zu können: Die Zahl der Bedürftigen, die auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen sind, hat sich in den vergangenen Monaten stellenweise verdoppelt. Waren es früher 30 Menschen in der Schlange, seien es heute durchschnittlich um die 70, sagt Oliver Witte. Inzwischen, so schätzt Witte, nehmen etwa 3000 Menschen in Remscheid das Angebot der Tafel wahr. Anfang des Jahres seien es etwa 2200 gewesen. Ein deutlicher Anstieg. Und da falle für den Einzelnen natürlich weniger ab, sagt Witte, denn die Zahl der Lebensmittelspenden wachse schließlich nicht gleichermaßen mit.

Langfristig müsse es daher ein neues Konzept geben, um die vielen Menschen aus den Kriegsgebieten, die alles zurück lassen mussten, um sich nach Europa zu retten, auffangen zu können. Flüchtlingshilfe müsse langfristig auch in den Tafeln ankommen, sagt Witte. Der Anteil der heimischen Bedürftigen sei dagegen weniger rasant gewachsen. Viele Bedürftige hätten zwar Verständnis für die Kriegsflüchtlinge, doch gebe es inzwischen hin und wieder auch mal lautere Stimmen, sagt Witte. Nur eine "Patentlösung", so dass jeder Bedürftige ausreichend bekäme, die gebe es momentan noch nicht. Daher heißt es bei der Tafel vorerst: keine weiteren Bewilligungsbescheide mehr, solange die neue Strategie nicht gefunden ist; Verlängerungen gültiger Karten seien jedoch nach wie vor möglich. Über Lebensmittelspenden freue man sich dabei natürlich immer, sagt Witte. Doch die allein könnten den Engpass nicht lösen. Die Tafel ist auch eine logistische Herausforderung: Insgesamt sechs Ausgabestellen gibt es derzeit in der Stadt. Dafür braucht es Personal, und das könne nicht nur aus Ehrenamtlern bestehen. "Wir brauchen auch Geldspenden", sagt Oliver Witte. Gemeinsam mit Sozialdezernent Thomas Neuhaus soll daher in den kommenden Tagen an einer Lösung gearbeitet werden. Von den Remscheidern Lebensmittelläden jedoch, könne keine Aufstockung der Spenden erwartet werden, sagt Witte. Was hier früher an die Tafel ging, könne heute dank verbesserter Planung noch verkauft werden. Und der Handel sei schließlich angehalten, Umsatz zu generieren und nicht so viele Lebensmittel wie möglich an die Tafeln abzugeben.

Quelle: RP
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