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Remscheid
Talentsuche im Akkord

Remscheid: Talentsuche im Akkord
Leo (vorne) und Hicham versuchten sich gestern im "Talentlabor" als Köche. Bundestagsabgeordneter Jürgen Hardt (M.) und Wolfgang Zöller von der Kraftstation fanden das Ergebnis recht ansprechend. FOTO: RPO
Remscheid. Es hat ein bisschen was von Speed-Dating, nur geht's statt um die Partner- um die Berufswahl: Beim "Talentlabor" des Projektes Kompazz wechseln Jugendliche alle 15 Minuten die Stationen, an denen sie ihre Talente testen können. Von Désirée Linde

Hicham (15) will Elektroniker werden. Das weiß der Schüler schon ganz genau, obwohl er ja noch ein bisschen Zeit hat, bis er sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben muss. Der Neuntklässler bleibt auch bei seinem Berufswunsch, nachdem er einmal in den Beruf des Koches hineingeschnuppert hat. Zusammen mit Schulkamerad Leo (15) hat er Gemüse geputzt und für einen Dipp in schmale Streifen geschnitten. Aus dem Backofen dringt schon der Duft von Pizzabrötchen. Dann ertönt eine Trillerpfeife. Stationswechsel. Hicham streift die Gummihandschuhe ab und geht in den nächsten Raum. So wie Hicham testeten gestern insgesamt elf Neunt- und Zehntklässler der Heinrich-Neumann-Förderschule ihre Talente im ersten Talentlabor, das die Projekt-Gruppe "Kompazz" von der Kraftstation in der Gelben Villa organisiert hat.

Ungewohntes ausprobieren

An zehn Stationen – jede dauert 15 Minuten – konnten die Jugendlichen Dinge versuchen, die ihnen bislang fremd waren. Etwa Servietten falten und einen Tisch eindecken wie ein Restaurantfachmann, Essen zubereiten wie ein Chefkoch oder sogar Frisuren machen, wie ein Friseur. "Das war für viele ganz neu. Beim Zöpfeflechten gab es einige, die gar nicht wussten, wie sie die Strähnen zu halten haben und andere, bei denen ging das ruckzuck", berichtet Diana Mucha, Diplom-Psychologin bei Kompazz. Für Lehrer Karsten Bach, neben Andrea Plum der zweite Berufswahlkoordinator der Förderschule, der die Schüler begleitet, ist der Auftakt des Talentlabors ein Erfolg. "Wir können in der Schule immer die Jugendlichen nur zu einem gewissen Grad erreichen. Wer schon schulische Misserfolge hat, für den ist alles was mit dem System Schule zusammenhängt, schon vorbelastet", sagt Bach. Kompazz hilft von außen mit seinem fünfköpfigen Team. Aus den Kompazz-Mitteln finanziert sich auch das Projekt, das erst einmal auf ein Jahr angelegt ist und mehrmals stattfinden soll. Danach ist die Finanzierung nicht  mehr gesichert, es droht ein Loch von 100 000 Euro .

Hicham beißt genussvoll in sein Pizzabrötchen. "Es hat schon Spaß gemacht, das Essen zu machen", sagt er. Aber Koch will er trotzdem nicht werden. Das muss er auch nicht. Wichtig ist laut Betreuungslehrer Bach vielmehr, dass der Junge das für sich ausgetestet hat. "Und er hat ja noch zwei Block- und ein Langzeitpraktikum vor sich." Eines davon wird er sicher versuchen, in seinem Wunschberuf zu bekommen, das andere vielleicht doch bei einem Koch.

Quelle: RP
 
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