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Remscheid
Tanzen mit sozialer Komponente

Remscheid: Tanzen mit sozialer Komponente
Mit Tanzlehrer Merlin Rachul (rechts) nahmen Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund am Workshop teil. FOTO: Peter Meuter
Remscheid. Nach fünf Workshops ging am Samstag die erste "Dance Academy Remscheid" des Evangelischen Kirchenkreises Lennep zu Ende. Der Veranstalter und auch die Teilnehmer waren zufrieden. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist altbekannt: Tanzen, Bewegung, Sport - diese Tätigkeiten verbinden, auch über Sprach- und Kulturgrenzen hinaus. Einmal mehr hatte sich das beim Projekt "Dance Academy Remscheid" gezeigt, das am Samstag mit dem fünften Tanz-Workshop in der Tanzschule Wieber abgeschlossen wurde. Veranstalter war der Evangelische Kirchenkreis Lennep. In Zusammenarbeit mit der Tanzschule hatte man fünf Workshops zu verschiedenen Tanzstilen angeboten, mit denen den jugendlichen Teilnehmern aber immer auch eine soziale Komponente vermittelt werden sollte. Die Idee hatte Waseem Kabak. Der 38-jährige Syrer ist seit fast vier Jahren in Deutschland und hat noch während seiner Ausbildung zum Integrations-Coach eine Anstellung bei der Diakonie bekommen. Kabak: "Mein Chef hat mir ein Konzept vorgegeben: Sexuelle Gewalt und Wertevermittlung in Deutschland. Ich habe mir überlegt, wie man das für die Zielgruppe der 16- bis 27-Jährigen am besten umsetzen kann."

Dann kam ihm die Idee, den modernen Tanz zu nutzen. "Männer und Frauen, Jungs und Mädchen, können da gemeinsam tanzen - aber eben ohne Körperkontakt, wie das beim klassischen Tanz der Fall ist", sagte der 38-Jährige. Und so hat er zusammen mit Chris Wieber von der Tanzschule Wieber sowie Tanzlehrer Merlin Rachul das Konzept der fünf Workshops entwickelt und umgesetzt. An fünf Samstagen im Januar und Februar trafen sich jeweils zwischen 25 und 35 Jugendliche in der Tanzschule und haben gemeinsam Workshops mit Profitänzern zu den Themen "Freestyle", "Duo Dance", "Dancehall", "Popping Dance" und "Hip Hop" angeboten. Der jeweils zweigeteilte Nachmittag vermittelte den Teilnehmern zum einen die Theorie des jeweiligen Tanzstils, zum anderen aber auch eine dazu passende soziale Komponente.

So ging es etwa beim "Freestyling" auch um eine Typ- und Stylingberatung. "Beim Hip Hop war das zweite Thema ein Training zum Coolbleiben, also eine gewisse Form von Anti-Aggressionstraining", sagte Kabak. Auch das Miteinander der Geschlechter wurde thematisiert: "Beim Duo Dance gab es Tipps zur Partnersuche, zum Daten und Flirten. Und beim Popping Dance, einer Art des Hip Hop, ging es um Gendertraining: Wie geht man mit dem anderen Geschlecht respektvoll um?", erklärte der 38-Jährige, der mit der Reaktion der Jugendlichen sehr zufrieden war und gerne eine Neuauflage der Academy machen würde. "Besonders toll fand ich, dass über zehn Nationalitäten in der Tanzschule waren - und man hat zusammen gelacht, getanzt, geredet - und das über die Sprachbarrieren hinweg", sagte Kabak.

Geuly Arias wurde von einer Freundin auf das Angebot aufmerksam gemacht. Das 16-jährige Mädchen stammt aus der Dominikanischen Republik und ist seit vier Jahren in Deutschland. "Ich tanze sehr gerne, bei den Kursen habe ich viel gelernt. Ich habe schon mal in der Kraftstation einen ähnlichen Kursus mitgemacht - und wenn das wieder angeboten wird, bin ich auf jeden Fall dabei!" Ähnlich begeistert zeigte sich der 23-jährige Zakwan Kurd Ali aus Syrien. "Ich kenne Waseem, der mir von dem Angebot erzählt hat", sagte der 23-Jährige. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder war Ali beim ersten Termin einfach zum Ausprobieren dabei. "Das hat mir dann aber gleich sehr gut gefallen, und dann bin ich weiterhin gekommen."

Da er gerade eine Ausbildung zum Kfz-Kaufmann mache, sei das Tanzen für ihn ein guter Ausgleich: "Die Ausbildung ist anstrengend, gerade auch wegen der Sprache, die für mich auch nach dreieinhalb Jahren noch neu ist", sagte der 23-Jährige. Da sei es besonders gut, wenn er sich dann beim Tanzen etwas entspannen könne. "Ich hätte gerne Breakdance ausprobiert - aber das Freestylen war auch sehr gut. Es war toll, sich so frei bewegen zu können."

Quelle: RP
 
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