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Remscheid
Tasse Kaffee zum Dienstbeginn

Remscheid. Karolina Amelung arbeitet als Krankenschwester im Sana-Klinikum auch in Nachtschicht. Es wirkt zwar still auf Fluren und in den Krankenzimmern, doch für das Personal gibt es viel zu tun. Gerade Frischoperierte benötigen Hilfe. Von Hagen Thiele Fotos Nico Hertgen

Krankenschwestern eilen hierhin, Ärzte dorthin. Besucher fragen nach dem Weg, um ihre Angehörigen zu sehen. Von überall hört man Schritte, Telefone klingeln, ein Kaffeeautomat brummt, herzhaftes Lachen und angespanntes Flüstern vereinen sich. Am Tage gleicht das Sana Klinikum einem betriebsamen Bienenstock. Alles ist in Bewegung. In der Nacht könnte der Gegensatz kaum größer ausfallen. Viele Gänge sind in Zwielicht gehüllt. Niemand ist zu sehen. Es ist so ruhig, dass man die Uhren ticken hört.

"Ich mag es, wenn es so still ist", sagt die Krankenschwester Karolina Amelung und nippt zum Beginn ihrer Nachtwache an einem Kaffee. Es wird noch maximal ein weiterer folgen. Mehr braucht die 35-Jährige nicht, um bis zum nächsten Morgen, wenn die Kollegen vom Frühdienst eintreffen, munter zu bleiben. Langweilig wird es der Nachtschwester ohnehin nicht. "Eigentlich klingelt es um die Uhrzeit noch sehr oft", sagt sie und schielt in Richtung Tür. Erst gegen Mitternacht kehre in aller Regel wirklich Ruhe auf der Station ein. Doch es bleibt still. Kein Patient drückt den Schwesternruf und so kann Amelung noch einen Moment den Frieden im Aufenthaltsraum genießen, bevor sie sich aufmacht, um ihre erste Runde zu drehen.

Alle zwei Stunden geht die Nachtschwester jedes einzelne Zimmer ab. Knapp 40 Patienten befinden sich in ihrer Obhut. Manche sind frisch operiert und benötigen noch Medikamente, andere lediglich Hilfe beim Gang zur Toilette. Eine bis anderthalb Stunden braucht Amelung für diese Kontrollrunden. Gerade, als sie losgehen möchte, streckt ein Arzt den Kopf zur Tür hinein. Er gibt ihr neue Anweisungen bezüglich eines Patienten.

"Multitasking ist bei dem Beruf sehr wichtig", meint Amelung. Es ist oft so, dass sie eine Tätigkeit anfängt - etwa für den Frühdienst die Medikamentengabe der Patienten vorzubereiten - und dann klingelt ein Patient. "Die knapp zehn Stunden Dienst sind eigentlich sehr gut ausgefüllt", meint die Nachtschwester. Besonders viel zu tun gibt es, wenn Patienten aus der Intensivstation auf die BO3 verlegt werden oder eine Neuaufnahme der Ambulanz ein Bett zugewiesen bekommt.

Für solche Situationen oder allgemein immer dann, wenn kurzzeitig zu viel Arbeit anfällt, kann Amelung einen Springer von einer anderen Station zur Unterstützung anfordern. Am Tag sind für die BO3 immerhin gleich drei examinierte Krankenschwestern, samt Schülerinnen und zwei Assistenten zuständig.

Ab halb fünf am Morgen erwacht das Sana Klinikum langsam. Die ersten Patienten klingeln, weil sie Hilfe beim Gang auf die Toilette brauchen, und es treten die ersten anderen Krankenhausmitarbeiter nach und nach zum Dienst an. Um 6 Uhr ist auch Amelung nicht mehr alleine. Die Kollegen von der Frühschicht treffen ein und werden bei der Übergabe auf den neuesten Stand gebracht.

Schließlich, wenn bei anderen gerade der Wecker klingelt und sie sich noch einmal im Bett umdrehen, hat Amelung Feierabend. Bevor sie geht, gönnt sie sich noch einen Kaffee. Es war die erste von vier Nachtwachen in Folge.

Quelle: RP
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