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Remscheid
Tatort Friedhof

Remscheid: Tatort Friedhof
Am 9. April war auf dem Stadtfriedhof eine 76-jährige Friedhofsbesucherin angegriffen worden. FOTO: Endermann
Remscheid. Auf Remscheider Grabfeldern muss niemand Angst haben, doch ist Vorsicht geboten, sagt die Polizei. Der brutale Überfall auf eine 76-Jährige auf dem Stadtfriedhof ist weiter ungeklärt. Von Bernd Bussang

In diesen Tagen ist es sonnig und hell auf dem Evangelischen Stadtfriedhof an der Kirchhofstraße. Es herrscht ein Kommen und Gehen, schließlich sollen die Gräber zu Allerheiligen vom Laub befreit und gepflegt aussehen. Es scheint, als ob auch Hasenclevers Engelsfigur, die über den Stadtfriedhof wacht, das gute Wetter genießt, dabei die Augen schließt und das Kinn in die Sonne reckt. Doch der Schein trügt. "Friedhöfe sind nicht nur Orte des Friedens", sagt Polizeisprecherin Hanna Meyerratken.

Am 9. April war auf dem Stadtfriedhof eine 76-jährige Friedhofsbesucherin angegriffen worden. Es war gegen 19 Uhr, als ein unbekannter junger Mann sich der Frau, die gerade mit der Gabpflege beschäftigt war, von hinten näherte, sie packte und zu Boden riss. Der Täter schlug auf die wehrlose Frau ein und trat nach ihr. Drei Jugendlich wurden auf die Hilferufe der 76-Jährigen aufmerksam und näherten sich ihr. Daraufhin ließ der Täter mit der schlanken Statur und einer grauen Kapuzenjacke von ihr ab und flüchtete. Bis heute fehlt von ihm jede Spur. Ob er die Frau berauben wollte und warum er sie so heftig schlug, bleibt unklar.

Tatort Friedhof - immer wieder würden der Polizei verdächtige Personen gemeldet, sagt die Polizeisprecherin. Grabsteine würden durch Flaschenwürfe beschädigt, Grabschmuck herausgerissen, Grablampen vermutlich wegen ihres Kupfergehalts gestohlen.

Zu einem besonderen Fall von Verletzung der Friedhofsruhe kam es Anfang April in Lüttringhausen, berichtet Meyerratken. Ein Paar hatte sich im Eiscafé gestritten, auf der Straße ging das Wortgefecht weiter. Die Frau (45) und der Mann (46) gingen zum Friedhof an der Schmittenbuscher Straße. Dort wurde es immer lauter. Schließlich schlug der Mann der Frau mit er flachen Hand ins Gesicht. Passanten alarmierten die Polizei. Die Beamten schrieben eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Von dem Überfall auf die 76-Jährige auf dem Stadtfreidhof hat auch Mia Schweirtzek gehört. Auch deshalb geht sie lieber früher am Tag auf den Freidhof - "wenn die Gärtner noch da sind", sagt die 89-Jährige, die regelmäßig das Grab ihres verstorbenen Mannes besucht. "Am hellen Tag fühle ich mich sicherer", sagt sie. Angst habe sie aber nicht. Auch Hannelore Schnell, die häufig an der Kirchhofstraße das Grab ihres Mannes und die ihrer vielen Bekannten besucht, fürchtet sich nicht. Denn schließlich kennt die 90-Jährige den Stadtfriedhof gut. "Ich habe schon als Kind gleich in der Nähe gewohnt und hier gespielt", berichtet sie. Bis zum Hasenclever-Engel habe sie sich damals schon vorgetraut, doch dann sei es ihr unheimlich geworden. "Auch heute noch schaue ich mich um, ob sich irgendwo was bewegt."

Daran hält sich die ältere Dame, als der Reporter sie nach ihren Erfahrungen und anschließend nach ihrem Namen fragt. Den sagt sie lieber nicht. Aus Vorsicht, versteht sich. Immerhin aber soviel: Von dem Überfall im April habe sie auch gehört. "Bei Dämmerung oder Dunkelheit gehe ich nicht, nur wenn Menschen hier sind", sagt die alleinstehende Friedhofsbesucherin.

Der Engel Hasenclevers wacht über den Stadtfriedhof. Niemand brauche dort Angst zu haben, betont die Polizeisprecherin, doch sollten sich alle an die Vorsichtsregeln halten.

Quelle: RP
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