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Remscheid
Temporeicher Tanz mit kämpferischem Säbelrasseln

Remscheid. Royal National Dance Company of Georgia zeigte im Teo Otto Theater beeindruckenden Tanz mit Artistik. Von Bernd Geisler

Auf der Bühne des Teo Otto Theaters herrschte am Ostermontag Kampf. Männer schlugen mit Schwertern aufeinander ein. Ein topfdeckelgroßer Schild diente als Deckung. Es war gleichwohl ein geordneter Kampf: Die Kämpfer tanzten. Die Musik dazu: sehr laut, rhythmisch infernalisch-wüst, melodisch einfühlsam-schön, mitreißend und animierend.

Die Akteure: rund 20 Tänzer, akrobatisch bis zu den Fußsohlen, pfeilschnell wie Peitschenhiebe, akkurat wie Messerspitzen und musikalisch beseelt wie Traumtänzer. Es fiel dem Zuschauer im Theater nicht schwer, zu träumen und sich gefangen nehmen zu lassen vom Geschehen auf der Bühne. Beinahe irreal sausten zum Höllentempo einer knallharten Trommel, ähnlich dem Klang einer indischen Tabla, die Schwerter auf die Gegner, diese parierten mit den Schilden und schlugen zurück. Natürlich lief alles nach einer einstudierten Choreografie ab. Sie muss den kämpfenden Tänzern (oder tanzenden Kämpfern) in Fleisch und Blut übergegangen sein - bei dieser Geschwindigkeit und Wucht durfte nicht danebengehauen werden. Öfters prallte Metall auf Metall, dass die Funken stoben. Beinahe unglaublich. Dieser Tanz "Swordplay" (Schwertkampf) war zweifellos einer der Höhepunkte der Tanzshow "Fire Of Georgia" der "Royal National Dance Company of Georgia". Nach fetten, da regenreichen Ostertagen mag das für viele der Besucher genau das Richtige gewesen zu sein, an Bewegung zu denken. Zwar tanzten die Akteure derart professionell, dass es nicht zur sofortigen Nachahmung empfohlen werden konnte. Zur Motivation reichte es gleichwohl allemal. Im Tanz "Frescoes" mit einer Art kirchlichem Gesang und angesichts einer überdimensionalen Ikone als Hintergrund waren vorher drei Madonnen mit spiritueller, meditativen Gelassenheit schwebend über den Boden geglitten. Georgien - eingebettet zwischen Russland, Türkei, Aserbaidschan und Armenien - leidet unter ethnischen Konflikten. In den Tänzen und der sie begleitenden Musik im Teo Otto Theater spiegelten sich unterschiedliche Einflüsse. Nicht zu überhören waren asiatisch anmutende Melodien - fremd und schön, so wie die Tänzer und Tänzerinnen.

Egal, wie modern die Musik für manche geklungen haben mag, der Versuch, kulturelle Eigenständigkeit auf die Bühnenbretter zu bringen, war auf jeden Fall mit dieser modernen Art traditioneller Tänze gelungen. Einer Besucherin in der Pause klang die Musik "zu überdreht", zu modern und sprichwörtlich zu laut. Manche Besucher- der Melodie ihrer georgischen oder russischen Wortfetzen nach zu urteilen - dachten offensichtlich ebenso. Das Gros der Besucher allerdings lieferte zum Schluss stehende Ovationen. Stellenweise brauste bei einzelnen Tänzen Szenenapplaus auf.

Quelle: RP
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