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Remscheid/Wuppertal
Tenebris - Szenen aus dem Leben eines jungen Flüchtlings

Remscheid/Wuppertal. Das Wuppertaler Theaterprojekt "Close Up" feiert am Samstag im Haus der Jugend Barmen Premiere mit dem aktuellen Stück "Tenebris". Vorlage für das abstrakte Werk über Angst und Starrheit der Anderen ist auch die Flucht- und Lebensgeschichte des in Remscheid lebenden 18-jährigen Flüchtlings Mohammed Nazari aus Afghanistan. Von Cristina Sogovia Buendiia

Sein Blick ist matt. Seine dunklen Augen leuchten nicht. Er wirkt müde und erschöpft. Nicht etwa von einer langen Nacht, eher wie nach einem längeren, sehr langen Marathonlauf. Seine Augen beobachten, analysieren. Trotz seiner 18 Jahre wirkt er wesentlich älter, seiner jugendlichen Naivität beraubt. Angesprochen, lächelt er. Es ist ein trauriges Lächeln. Gut zwei Jahre ist es her, dass Mohammed Nazari, der aus seiner Heimat Afghanistan flüchtete, in Remscheid ankam und Asyl beantragte. Auf seiner Flucht erlebte er allerhand Schmerzliches. Angst und Ungewissheit waren seine täglichen Begleiter. Zurück ließ er nur seine Jugend. Familie habe er keine mehr. In Deutschland hoffte er auf ein neues, sicheres Leben. Er lernte Deutsch, suchte Anschluss. Doch nun erreichte ihn vor kurzem ein Brief. Ein Abschiebebescheid.

Seine Geschichte hat Mohammed Nazari im Wuppertaler Theaterprojekt Close Up einfließen lassen, bei dem sich Jugendliche unter der künstlerischen Leitung von Charlotte Arndt und Dilara Baskinci mit einer anderen Perspektive der Flucht auseinandersetzen - mit der eigenen als stille Beobachter.

Tenebris haben sie ihr Stück genannt, das lateinisch für Dunkelheit steht. Einer Dunkelheit, in die wir uns alle selbst begeben, wenn wir uns dazu entscheiden wegzuschauen. Eine Dunkelheit, in der sich auch viele Flüchtlinge begeben haben und weiterhin begeben, wenn sie sich entschließen, mit den Booten übers Meer zu fahren. "Was passiert dort, wenn es Nacht wird und der Mond das einzige ist, was ein wenig Licht spendet? Was haben Mond und Meer wohl schon gesehen und was würden sie uns erzählen, wenn sie sprechen könnten", überlegten Arndt und Baskinci gemeinsam mit ihrem jungen Ensemble. Neun Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, neun Darsteller und drei Flüchtlinge haben seit September vergangenen Jahres an dem Projekt gearbeitet.

Entstanden ist dabei ein emotionsreiches Stück über das Bedürfnis nach Schutz, aber auch über die eigene Starrheit, nur zu beobachten und nichts zu tun. Es ist ein abstraktes Werk mit eigens komponierter Musik von Teilen des Royal Street Orchestra, was sicherlich keinen unbeeindruckt lassen wird.

In Filmsequenzen kommen die Flüchtlinge zu Wort und skizzieren ihr Leben vor der Flucht. Auf der Bühne spielen die Darsteller, tanzen nach Choreographien und singen.

Ein reines Musical ist es aber nicht. Während der Probenarbeiten flossen auch Tränen. "Von den Flüchtlingen hatte ich schon öfter gehört, aber ihre Geschichte so im Detail zu hören, hat mich sehr bewegt und mir auch einen ganz anderen Blickwinkel verliehen", sagt die 17-jährige Melissa, die im Stück einen Flüchtling spielt. Nach diesem Stück solle sich jeder die Frage stellen, ob geholfen oder weggeschaut hat - so die Intention. "Es soll aber kein erhobener Zeigefinger sein", sagt Baskinci. Doch nachdenklich machen sollte das Stück schon.

Quelle: RP
 
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