| 00.00 Uhr

Remscheid
"Terrorabwehr-Auflagen gefährden Feste"

Remscheid: "Terrorabwehr-Auflagen gefährden Feste"
So gelöst war die Stimmung 2015 auf dem Weinfest in Lennep. Inzwischen aber wird über hohe Sicherheitsauflagen für solche Feste diskutiert. Die Vereine als Veranstalter können und wollen diese nicht bezahlen, so der Tenor. FOTO: HN (Archiv)
Remscheid. Markus Kötter und Vereinsvertreter sprachen über Sicherheitsauflagen bei Festen. Es wird sogar eine Klage erwogen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Die Stimmung in der Nobis-Bar in Lennep war aufgeheizt: Bezirksbürgermeister Markus Kötter hatte zum Stadtteilgespräch geladen, mehrere Vertreter aus Lenneper Vereinen waren gekommen. Es ging um eine Verordnung der Stadtverwaltung über die künftig verschärften Sicherheitsauflagen bei Veranstaltungen, und die Frage, wer dafür aufzukommen habe.

"Nach dem Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin wurden die Auflagen für als besonders gefährdet eingestufte Veranstaltungen vom NRW-Innenministerium verschärft. Die Stadtverwaltung hat eine entsprechende Verordnung vorgelegt, betroffen sind zwei Veranstaltungen, beide in Lennep - Rosenmontagszug und weinfest", sagte Kötter. "Es kann aber nicht angehen, dass für die zusätzlichen Kosten die ehrenamtlichen Veranstalter in den Vereinen aufkommen müssen."

Damit war er mit den übrigen Anwesenden auf einer Linie. So betonte etwa Joachim Weber, Vorsitzender der SG Hackenberg: "Wir hatten 2016 bereits 8000 Euro für Security ausgeben müssen. Wenn die Kosten weiter steigen, können wir das nicht mehr stemmen." Für den Verein bleibe so nichts mehr übrig. Man werde vermutlich in den nächsten Jahren nicht umhinkommen, das traditionelle Pfingstturnier, das in diesem Jahr zum 34. Mal ausgetragen wird, abzusagen. "Natürlich könnte man die Beiträge erhöhen - aber das kann auch keine Lösung sein", sagte Weber. Klaus Mathies vom Fallschirmclub Remscheid fragte nach, ob nicht mit der Verwaltung geredet werden könnte. Kötter antwortete, dass diese lediglich die Verordnung vorgelegt habe. "Es geht um die Frage, wer die Kosten trägt. Wenn es die Vereine bezahlen müssen, ist das meiner Meinung nach über kurz oder lang das Ende von unseren öffentlichen Veranstaltungen."

Pfingstkirmes-Veranstalter Dirk Bechstedt vermutete indes, dass mit zweierlei Maß gemessen werde: "Nur Lenneper Veranstaltungen haben die Auflagen bekommen, ich habe das Gefühl, dass die plattgemacht werden sollen", sagte er. Kötter meinte, dass die Verordnung für ganz Remscheid gelte, aber man durchaus die Frage stellen müsse, warum das Weinfest gefährdeter sei als das Straßenfest auf der Hindenburgstraße. Bernd Steinhoff von Augusta-Hardt-Horizonte ergänzte: "Wir sind zwar noch nicht davon betroffen, aber ich sehe da durchaus Grenzen, wenn wir auch dieses Problem hätten." Man dürfe nicht vergessen, dass die vielen Veranstaltungen und Feste Werbung für Remscheid und die Umgebung machten: "Das sehe ich an dieser Stelle durch die Auflagen ein Stück weit beschwert." Im Verlauf der Diskussion wurde die Stimmung merklich gereizter. Dr. Ralf Flügge vom Lenneper Schützenverein sagte für die Schützen zu, sich finanziell an einer eventuellen Klage zu beteiligen: "Auch wenn das das schwächste Instrument ist, und der beste Prozess der ist, der nicht geführt werden muss. Aber ich rufe auch die anderen Vereine dazu auf, die Unterstützung ebenfalls zuzusagen." Erwin Rittich, LTG-Vorsitzender, brachte die Stimmung auf den Punkt: "Es ist absurd, diese Kosten dem Ehrenamt aufdrücken zu wollen. Die Terrorabwehr kann nicht Sache der Vereine sein, sie ist Sache des Staates."

Kötter sagte im Anschluss: "Ich merke, der Unmut und das Entsetzen sind groß. Es müssen definitiv Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt werden. Schließlich steht in der Verordnung nichts davon, wie die geforderten 'geeigneten Maßnahmen' auszusehen haben. Und das Ehrenamt kann und darf dafür nicht in die finanzielle Verantwortung gezogen werden."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: "Terrorabwehr-Auflagen gefährden Feste"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.