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Remscheid
Tim Boltz liefert Gags mit langem Bart

Remscheid. Mit seinem Programm Rüden haben kurze Beine war der "Literaturkomiker" zu Gast in der Klosterkirche. Von Bernd Geisler

"Lügen haben kurze Beine", sagt das Sprichwort. "Rüden haben kurze Beine", sagt der selbst ernannte Literatur-Komiker Tim Boltz und denkt dabei an sich. Aus mehrfachen Gründen. Nicht nur, dass seine musikalische Begleiterin Corinna Fuhrmann ihn um mindestens zwei Kopflängen überragt. Nein, Boltz stolziert auch als komischer Icherzähler "Robert Süßemilch" auf Rüdenbeinen durch die Landschaft und lügt sich durch immer abstrusere, erdachte Unwahrheiten um Kopf und Kragen des zu kurz geratenen Körpers.

Und warum? Der holden Weiblichkeit wegen. So, wie er es anscheinend in der Hundewelt beobachtet hat: Rüden sind immer auf der Pirsch nach rolligen Weibchen und müssen dabei Eindruck schinden. Dafür ist jedes Mittel recht. Nur zu dumm, wenn des Dackelrüdens Beinchen zu krumm und zu kurz sind, um der Angebeteten auch nur annäherungsweise beizukommen.

So gibt sich auch Hilfsarbeiter Süßemilch alle erdenkliche Mühe, die Damenwelt zu beeindrucken. Sein bevorzugtes Mittel: Lügen, dass sich die Balken biegen. Mit einem bisschen Gewitztheit und einer enormen Portion Bauernschläue gelingt es ihm tatsächlich. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. So bekam das Publikum in der Klosterkirche durchaus viele Gelegenheiten, herzlich zu lachen. Da die komischen Situationen aber leider stets nach dem gleichen Schema abliefen, schimmerten die Gags nach und nach bereits am Anfang durch - die Überraschungen blieben auf der zu langen Strecke und verebbten in verhaltenem Gekicher. Der Protagonist Süßemilch gerät durch sein aus selbst entfachter Not immer komplizierteres Lügengebäude in die düsteren Katakomben des Wahnsinns.

Will er sich etwa als Mann von Welt - Lufthansapilot - darstellen, ihn aber eine Duftwolke müffelnden Achselschweißes umgibt, weiß er sich nicht anders zu helfen, als sich auf der Toilette mit benutzten(!) Urinalsteinen zu parfümieren. Dass davon seine so umworbene Angebetete "Jana" nichts bemerkt und ihn nach wie vor den "Weinkenner" abnimmt, ist so realitätsfremd wie gemäß einer anderen Erzählung die Tatsache, als simulierter Blinder mit Katze als Blindenführer und einer Nasendusche zum Idol der amerikanischen Grenzkontrolle aufzusteigen. Solch ein Blödsinn führt im Publikum zum Fremdschämen. Auch über solche Gedichtzeilen wie über den Veganer: "Sein Stuhlgang, eines Säuglings gleich, ist oftmals grün und selten weich" hilft nur bescheidenes Lachen hinweg. Von diesem Humor lebte der Abend.

Wie sagte eine Unbekannte in der Pause: "Eine andere Art von Comedy." Das erinnert an den Spruch des authentischen Spaßmachers Heinz Becker: "Ist mal was anderes, sagt der Saarländer, wenn das Essen nicht schmeckt."

Quelle: RP
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