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Remscheid
Triumphzug mit Rock-Klassikern

Remscheid. Bei der musikalischen Zeitreise "Forever 27" brachte das Landestheater Tübingen eine Hommage an früh verstorbene Kultmusiker auf die Theaterbühne. Von Wolfgang Weitzdörfer

Gellende Pfiffe, donnernder Applaus, Standing Ovations! So sieht ein echter Triumphzug aus, umso mehr, wenn er nicht vor der Konzertbühne bei irgendeinem Mega-Act stattfindet, sondern im gediegenen Ambiente des gut besuchten Teo Otto Theaters. So geschehen, als das bestens aufgelegte Ensemble des Landestheaters Tübingen zur musikalischen Zeitreise "Forever 27" (Regie und musikalische Leitung: Heiner Kondschak) einlud. Und natürlich hatte das Ganze durchaus auch Züge eines zünftigen Rock-Konzerts, was alleine schon den dargestellten Musikern zu verdanken waren - Janis Joplin, Amy Winehouse, Jim Morrisson, Jimi Hendrix, Brian Jones und Kurt Cobain. Ergänzt um die deutsche Schlagerlegende Alexandra - letztere wirkte in dieser Zusammenstellung doch ein wenig fehl am Platz. Obwohl sie die wesentliche Grundvoraussetzung durchaus erfüllte: Alle Akteure einte der frühe Tod mit nur 27 Jahren. In der Geschichte der Rockmusik durchaus ein kleiner Mythos, dieser "Club 27". Aber natürlich stellten die wilden, freigeistigen, unabhängigen und überbordend kreativen englischsprachigen Musiker doch etwas ganz Anderes dar als die doch eher biedere Alexandra, Sängerin von "Mein Freund der Baum", "Illusionen" oder "Zigeunerjunge", die im letzten Viertel des Stücks konsequenterweise von Roy Black in den Schlagerolymp geleitet wurde - und zuvor als Putzfrau im Rockstar-Proberaum (geschmackvolles Bühnenbild von Ilona Lenk) eher unfreiwillig komische Akzente setzte.

Die Rahmenhandlung war dabei so hippiesk wie wohltuend-naiv: Hubert Kramer (Zeremonienmeister und Teufels-Querflöter: Andreas Guglielmetti) will Kultmusiker für sein Magazin "Hall Of Fame" porträtieren. Diese sind: die herrlich aggressive und mit versoffenem Reibeisenorgan gesegnete Janis Joplin (großartig bei Stimme: Jennifer Kornprobst), der gescheiterte Rolling Stone Brian Jones (brillant am Schlagzeug: Thomas Zerck), Gitarren-Gott Jimi Hendrix (feine Riffs, Licks und Leads: Michael Ruchter), der Lyrik-Beau aus L.A. Jim Morrisson (mit perfekter Gestik: Heiner Kock), Soul-Diva Amy Winehouse (auch als Alexandra klasse: Franziska Beyer) und die Grunge-Ikone Kurt Cobain (glaubhaft an der Welt verzweifelnd: Lukas Umlauft).

Die Setlist der Super-Group las sich wie ein Streifzug durch das Klassiker-Regal der Rockmusik: "Purple Haze" und "Angel" (Hendrix), "All Apologies" und "Where Did You Sleep Last Night" (Cobain), "Me And Bobby McGee" und "Peace Of My Heart" (Joplin), "Light My Fire" und "Love Her Madly" (Morrisson), "Me And Mr. Jones" und "Rehab" (Winehouse) sowie "Satisfaction" und "The Last Time" (Jones).

Zusammengehalten wurde der etwa zweieinhalbstündige Abend durch die leidenschaftliche Spielweise und das hervorragende Talent des jungen Ensembles. Die musikalische Heiligsprechung der großen Ikonen war den Darstellern rundum gelungen.

Quelle: RP
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