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Remscheid
Trommel-Truden wettern gegen Rosenmontag

Remscheid. Quartett aus Hamburg bot im Teo Otto Theater allerbeste Unterhaltung mit Trommeln, Trara und dem Traum von Afrika. Von Wolfgang Weitzdörfer

Rosenmontag ist ja traditionell der Höhepunkt des jecken Frohsinns. Zwar war davon in Remscheid nicht wirklich viel zu sehen, dafür ging es aber im Teo Otto Theater am frühen Abend hoch her - vier "Truden" aus Hamburg, Trude Agathe (Anke Hundius), Trude Cäcilie (Gunhild Wulf), Trude Erna (Eva Roßberg) und Trude Mathilde (Annette Kayser), hatten die Bühne geentert und boten reichlich Absurdes.

Sie waren dabei aber auch hochvirtuos an Trommeln, Percussion und Blockflöte unterwegs. Dabei wirkten die vier Nordlichter wie ein wandelnder Anachronismus, als sie in ihren 50er Jahre-Oma-Kostümen auf die Bühne wackelten, zum Auftakt ihrer "Protestveranstaltung gegen den Rosenmontag" gleich einmal derbe in die bereitstehende Trommel-Batterie hieben und damit im gutgelaunten Publikum für erste Begeisterung und heruntergeklappte Kinnladen sorgten.

Denn auch wenn die Unterhaltungen und Texte der vier "Truden" teilweise ins Dadaistisch-Absurde tendierte - was aber so konsequent durchgezogen wurde, dass es einfach mitriss - waren es vor allem hochkarätige Musiker, die da auf der Bühne werkelten. Da saß jeder Trommelschlag, man wunderte sich gar, dass auch auf der Trommel ein Gitarrensolo à la Jimi Hendrix möglich ist, und spätestens als Trude Cäcilie ihre Blockflöte auspackte, ging es richtig zur Sache: Selten ist ein derart virtuoses Blockflötenspiel zu hören - noch dazu in einem Trommelprogramm und unterstützt von einem "Symphonieorchester" bestehend aus unterschiedlich hoch gefüllten Wasserflaschen. Grandios! Dabei waren es durchaus die Trommeln, die im Mittelpunkt des rund zweistündigen Programms standen, große, kleine - und jene, die eigentlich zum Kochen verwendet werden: Töpfe. Schließlich starteten die "Truden" eigentlich als Blockflöten-Ensemble, ehe sie sich dem Rhythmus zuwandten.

Oder auch andersrum: "Es kam über uns mit Naturgewalt!", so hieß es nämlich im Entstehungsgeschichten-Rap. Da kamen die Töpfe auch zum Einsatz, denn schließlich wollten die "Truden" ursprünglich nur etwas kochen, ehe der Rhythmus dann dazwischenkam, naturgewaltig eben, und nachhaltig. Vielseitigkeit, gemischt mit Perfektion - das waren die Zutaten, die die "Truden" verwendeten, dazu kam immer ein kleiner Hauch von Afrika, natürlich durch das teils enorm wilde Trommeln. Wenn sie indes Kuhglocken, roboterhafte Bewegungen sowie einen Triangel mischten, nannte sich das "Folklore aus dem Erzgebirge": Herrlich, wie das quirlige Quartett so eine sich durch die Kerzenwärme drehende Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge nachstellte.

"Herrlich verrückt", sagte auch eine Zuschauerin lachend, als sie in die Pause ging. Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

Quelle: RP
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