| 00.00 Uhr

Remscheid
Über das Recht auf die eigene Langsamkeit

Remscheid: Über das Recht auf die eigene Langsamkeit
Die in Teheran geborene Literatin Sudabeh Mohafez. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Dass Sudabeh Mohafez zwischen zwei Kulturen aufgewachsen ist, merkt man der Autorin mit iranischen Wurzeln nicht an.  Von Stefanie Bona

Obwohl die 1963 in Teheran geborene Literatin erst im Alter von 16 Jahren nach Deutschland kam, spricht sie ein akzentfreies Deutsch und auch ihr Erscheinungsbild und Auftreten entspricht einer emanzipierten Frau, wie man sie in der westlichen Welt verorten würde. Nach verschiedenen Schriftstellern der Migrationsliteratur hatten die Veranstalter der Interkulturellen Lese- und Musikreihe nun erstmals eine Frau eingeladen, die bei ihrer Lesung in der Lenneper Klosterkirche die Zuhörer bestens unterhielt und in ihren Bann zog.

Dazu trugen ihre poetische, bildhafte Sprache, ihr hintergründiger Humor und ihre großen Fähigkeiten als Vorleserin bei. Insofern wirkte sie als Ich-Erzählerin sehr authentisch, wenn sie lebendig Auszüge aus ihren Romanen und Geschichten zum Besten gab. Dass Sudabeh Mohafez einen sensiblen und auch dezent-kritischen Blick auf die Lebenswelt in Mitteleuropa hat, wurde ebenso deutlich. Sie plädiert auf das Recht aufs eigene Tempo, ja sogar auf die Langsamkeit, die unter aller Rastlosigkeit mehr und mehr unterzugehen scheint. Wenn sie schildert, wie ein Feuerwehrmann bei einem Wohnhausbrand trotz lodernder Flammen sein Opfer rettet, dabei Geduld und Ruhe ausstrahlt, veranlasst dies die Protagonistin in ihrem Buch "Brennt", den Lebensretter gleich küssen zu wollen.

Während die Autorin in Berlin-Neukölln lebte, hat sie auch in diesem Viertel mit bekannt hohem Migrationsanteil ihre Erlebnisse verarbeitet. Neben ihrer Belletristik, die sie bei zwei großen Verlagen veröffentlicht, geht sie mit einem kleineren Verlagshaus auch neue Wege. Aus ihrem Internet-Blog ist das "Zehn Zeilen Buch" entstanden, das inzwischen in der zweiten Auflage vorliegt. 52 Geschichten sind je zehn Zeilen lang und sprachen als literarische Häppchen das Publikum ebenso an. Ergänzt wurde die Lesung durch Weltmusik des Musikers Ojas, der mit Didgeridoo, afrikanischer Trommel und auch europäischen Instrumenten ein Stück Weltmusik in den Saal brachte.

Die weit gereiste und mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnete Weltbürgerin kam auf Einladung von Caritasverband Remscheid, Deutsch-Indischer Gesellschaft, Lütteraten, Förderverein für Interkulturelle Erziehung, Kommunales Integrationszentrum, Schlawiner und Kulturkreis im Heimatbund Lüttringhausen zum ersten Mal nach Remscheid. "Eine schöne Gegend der Welt", wie Sudabeh Mohafez lächelnd befand.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Über das Recht auf die eigene Langsamkeit


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.