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Remscheid
Über feurige Liebhaber

Remscheid: Über feurige Liebhaber
Das Schauspielerduo Franziska Lehmann und Phillip Reinshagen schlüpft in die Rollen von Menschen, die auf der Suche nach einem Seitensprung sind. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Ensemble des Actor's Studios feierte Premiere einer Komödie von Neil Simon. Von Cristina Segovia-Buendía

Rasant hätte die Handlung der Komödie aus der Feder von Autor Neil Simon eigentlich sein können, die das Schauspielerduo Franziska Lehmann und Phillip Reinshagen unter der Regie von Oliver Scheemann im Rotationstheater erstmals aufführte. Ein Stück, in dem es um den scheinbaren Drang nach dem außergewöhnlichen Kick geht: Barney Silvermann, 47 Jahre alt, seit 23 Jahren glücklich verheiratet, Vater von drei Kindern, unscheinbarer Besitzer eines langweiligen Fischrestaurants, ein Mann dessen Leben bislang gradlinig, aber überwiegend ohne Höhepunkte verlaufen ist, wünscht sich ein feuriges Abenteuer. Ein Seitensprung, so denkt er, wäre der fehlende Pfeffer in der faden Suppe seines Lebens. Doch so einfach wie es im ersten Moment scheint, fällt es dem im Kern tiefanständigem Mann nicht, seine Ehefrau mit einer anderen zu betrügen.

Dame Nummer eins, Elaine Navazio, eine feurige Ehefrau, die offensichtlich schon Erfahrungen mit Seitensprüngen hat und die Barney für den Ehebruch ins Haus seiner Mutter einlädt, schreckt den verschüchterten Mann ab. Er will romantisch sein und seinen Seitensprung näher kennenlernen, sie will ihm gleich an die Wäsche. Am Ende passiert nichts. Nach einem amüsanten Hin und Her bleibt Barney schockiert zurück: "So etwas mache ich nie wieder." Der Vorhang schließt, doch kaum ist er wieder auf, kommt erneut das altbackene Wohnzimmer von Barneys Mutter zum Vorschein. Diesmal scheint der gewillte Ehebrecher aber besser vorbereitet zu sein. Eine neue Dame tritt ein, diesmal eine Art Barbiepuppe, die aus dem vollen Klischeetopf greift. Bei ihr rechnet sich Barney mehr Chancen aus, doch am Ende, landen beide bekifft auf dem Sofa, in einem völlig anderen Rausch. Schließlich taucht Barney in der nächsten Szene viel lässiger auf, im Hintergrund klingt Shaggys "Mr. Boombastic", zu dem Reinshagen provokant herumtänzelt. Jetzt, denkt sich der Zuschauer, wird Barney zum Zug kommen. Doch was ihm dann durch die Tür kommt, ist ein völlig anderes Extrem: Eine verschüchterte, unzufriedene, von Depressionen zerfressene Frau, die an der kompletten Menschheit zweifelt. Am Ende stürzt Barney beinahe selbst in eine Depression.

Die Zuschauer hatten durchgängig etwas zu lachen. Franziska Lehmann überzeugte durch ihre Vielfalt in den drei verschiedenen Frauenrollen, und Reinshagen lieferte, bei seiner Entwicklung vom verschüchterten Ehemann zum Draufgänger, eine ebenso solide Leistung ab. Demnach also ein durchaus empfehlenswertes Stück. Einziger Kritikpunkt: Fast drei Stunden bei einer Komödie ohne Szenenwechsel, sind definitiv zu lang. Das hätte zeitlich gestrafft viel rasanter gewirkt.

Nächste Vorstellungen: Samstag, 29. Oktober um 20 Uhr und Sonntag, 30. Oktober, 18 Uhr im Rotationstheater.

Quelle: RP
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