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Remscheid
"Überfälle werden immer brutaler"

Remscheid: "Überfälle werden immer brutaler"
Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher riet im Interview mit unserer Zeitung, sich bei Überfällen auf offener Straße nicht zu wehren. FOTO: Martin Kempner
Remscheid. Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher sieht die Entwicklung der Straßenkriminalität mit Sorge. Von Guido Radtke

Die Aufgaben der Polizei werden sich verlagern - weg von der Straße, hin zur digitalen Ermittlung. Nach Meinung von Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher sollen dabei Experten unterstützen.

Brigitta Radermacher ist bei der Polizei eine Quereinsteigerin. Knapp 20 Jahre lang war die 59-Jährige als Rechtsanwältin tätig, ehe sie nach einer zweijährigen Zwischenstation als Beigeordnete für Schule, Jugend, Sport und Kultur in Siegen in die Kreispolizeibehörde Wuppertal berufen wurde. Ihren eigenen Karriereweg nimmt die Polizeipräsidentin zum Anlass, in diversen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung über die Einstellung von externen Fachleuten nachzudenken.

Immer häufiger beschäftigt sich die Polizei in Solingen, Remscheid und Wuppertal mit Straftaten, die im Internet begangen werden. "Hier könnten IT-Spezialisten viel bewirken, um die Computerkriminalität zu bekämpfen." Radermacher könne sich etwa auch vorstellen, dass Steuerberater oder Steuerfachangestellte als Finanzermittler tätig werden könnten. "Dieses Experten-Wissen können sich Polizeibeamte nur schwer aneignen."

Die Juristin erwartet ohnehin, dass sich die Aufgaben weiter verlagern werden - weg von der Straße, hin zur digitalen Ermittlung. "Früher haben wir Stecknadeln in Wandkarten gesteckt, um Schwerpunkte von Straftaten zu ermitteln und vorbeugende Maßnahmen zu treffen." Heute werde die Vorhersage von Verbrechen beim sogenannten ,Predictive Policing' am Computer vorgenommen. "Die Zahl der öffentlichen Straftaten ist zurückgegangen. Wir können allerdings nicht belegen, ob es daran liegt, weil häufiger Streife gefahren wird oder weil generell weniger passiert."

Ein Beispiel: Im Bergischen Land hat es bei den Einbrüchen eine Verschiebung gegeben. "Es gibt kaum noch Gelegenheitstäter. Stattdessen sind es organisierte Banden, die in Häuser oder Wohnungen einsteigen, um Bargeld, Schmuck oder Laptops zu erbeuten", bilanziert Brigitta Radermacher. "Die Profis sind blitzschnell. Wenn es ihnen jedoch zu lange dauert, ziehen sie kurzerhand zum nächsten Objekt weiter und starten dort ihren nächsten Versuch." Die einzigen Spuren, die diese Täter hinterlassen, sind am Rahmen von Fenstern oder Türen zu erkennen. "Eine gute Sicherung ist die beste Vorsorge", rät die Polizeipräsidentin. Wie professionell die Banden heutzutage vorgehen, zeigt die Datei der Schuhprofile. "Wir bekommen hier schon lange keinen Nachschub mehr, weil die Täter alle Überzieher tragen."

Die Überfälle auf offener Straße würden nicht mehr, "aber immer brutaler", sagt sie 59-Jährige. Sie sei beunruhigt, dass dabei häufig Waffen zum Einsatz kommen, nur um Handys oder Bargeld zu erbeuten. "Wer sich wehrt, kann sich der Reaktion der Täter nicht sicher sein." Sie rät dazu, lieber das Smartphone herauszugeben und sich gleichzeitig so viel wie möglich für eine exakte Täterbeschreibung zu merken.

Quelle: RP
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