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Ansichtssache
Unbehagen an Feier im Rathaus

Meinung | Remscheid. Der Oberbürgermeister hat im Rathaus mit den Vertretern der muslimischen Gemeinden Fastenbrechen gefeiert. Ist das der richtige Ort? Von Christian Peiseler

Ist es eine Erwähnung wert, dass Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz 1840 Euro für die Feier des Fastenbrechens im Rathaus mit Steuergeldern finanziert hat? Ja. Aber es geht nicht ums Geld, sondern um ein Unbehagen, wenn Prinzipien verletzt werden, auch wenn die Verletzung nur marginal ist.

Der OB versteht sich als ein Stadtoberhaupt, das mit allen in Remscheid lebenden Gruppierungen Kontakt halten will. Miteinander reden ist besser, als übereinander reden. Auch gerade dann, wenn die Zeiten schwierig sind, wie die Spannungen mit einem kleinen Teil der Türken in Remscheid zeigen. Eine sympathische Haltung, gegen die es im Grunde nichts einzuwenden gibt.

Problematisch an dem gemeinsamen Fastenbrechen mit Vertretern der muslimischen Gemeinden ist vielmehr der Ort: das Rathaus. Das Rathaus ist kein Verwaltungsgebäude wie das der Sparkasse. Es verkörpert weit mehr als einen Dienstleistungsgedanken. Im Rathaus versammeln sich frei gewählte Bürger, um die öffentlichen Angelegenheiten auf demokratische Weise zu regeln. Das ist ein anstrengender, zäher, komplexer, manchmal langweiliger, manchmal spannender Prozess. Alltagsgeschäft der Demokratie. In einem demokratischen Staat gibt es aber eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat. Die Aufklärung hat die Kirche in ihre Grenzen verwiesen. Das Fastenbrechen zum Ende des Ramadan ist aber ein religiöses fundiertes Ritual. In einem Ratssaal hat es nichts zu suchen. In Remscheid gibt es so viele Orte, an denen der Oberbürgermeister den höchst geselligen und sinnenfrohen Abschied von einem langen Tag des Hungerns mit Bürgern muslimischen Glaubens feiern kann. Nur der Ratssaal ist dafür der ungeeignetste.

Das gleiche Unbehagen stellt sich ein, wenn die Rathausfront wie vor ein paar Wochen mit einem großen gelben Werbeplakat geschmückt war, um auf einen kirchlichen Gottesdienst auf dem Rathausplatz hinzuweisen. Wer das genehmigt, dem fehlt es etwas an der Sensibilität für die Wichtigkeit der Trennung zwischen Staat und Kirche. Gerade in einer Zeit, in denen die offene Gesellschaft unter religiösen Beschuss gerät. Für religiöse Menschen haben die Werte ihres Glaubens eine höhere Wertigkeit als nicht-religiös definierte Werte. Sie verstehen ihre Gebote als Gesetze. Kollidieren diese mit den geltenden Gesetzen, stellen sie ihre Regeln oft genug über das weltliche Recht. Klar, denn Gesetze sind nur von Menschen gemacht und können sich ändern. Der Glaube aber fußt - davon gehen Gläubige aus - auf Gott oder Göttern.

Es ist kein Akt der Unfreundlichkeit gegenüber Muslimen oder Christen, wenn das Rathaus jeden Anschein vermeidet, sich an der Verwischung der Grenzen zwischen Religion und Staat zu beteiligen. Es ist ein Akt der Klarheit, der allen gut tut. Er will niemanden ausgrenzen, sondern die Spielfelder klar definieren. Dass die Kosten von 1840 Euro im Vergleich zu einem normalen Bürgerempfang in den Stadtteilen (etwa 200 Euro) hoch sind, das ist eine andere Geschichte - eine Petitesse aus dem Alltag der Demokratie.

Quelle: RP
 
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