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Remscheid
Unbekannte sprengen Geldautomat in die Luft

Remscheid: Unbekannte sprengen Geldautomat in die Luft
Zersplittertes Glas auf dem Bürgersteig. Die Filiale der Sparda-Bank am Tag nach dem Überfall. FOTO: Kollmann
Remscheid. Die Fahndung nach dem Überfall in Lennep blieb bisher erfolglos. Die Polizei vermutet eine Bande am Werk. Von Christian Peiseler

Ein ohrenbetäubender Knall riss in der Nacht zu Mittwoch die Anwohner an der Kölner Straße und Umgebung aus dem Schlaf. Unbekannte Räuber hatten gegen 2.20 Uhr den Geldautomaten im Schalterraum der Sparda-Bank in Lennep gesprengt. Scheiben klirrten, Reifen quietschten. Beute haben die Täter nicht gemacht, sagt die Polizei.

Trotz des Einsatzes von Sprengstoff haben die Täter kein Geld erbeuten können, teilt die Polizei mit. FOTO: Kollmann

Um wie viele Täter es sich genau handelt, darüber herrscht Unklarheit. Die Polizei geht von mindestens zwei Tätern aus. Es könnten aber auch drei oder vier gewesen sein, die unerkannt mit einem PS-starken Auto entkommen sind. Vermutlich wurde der Wagen zuvor gestohlen.

Unmittelbar nach der lautstarken Explosion hatten Anwohner die Polizei alarmiert. Doch die Suche nach den Tätern, die mit hoher Geschwindigkeit am Werke gewesen sein müssen, blieb trotz einer sofort eingeleiteten Großfahndung, erfolglos. 14 Streifenwagen waren vor Ort gewesen. Die umliegenden Parkhäusern haben Beamte nach dem Fluchtfahrzeug abgesucht. Der Hubschrauber "Hummel" hatte die Ausfahrtstraßen und die Autobahn im Visier. Die Täter waren schneller. Gleich in der Nacht sicherten Fahnder der Kripo erste Spuren am Tatort. "Die Täter haben wahrscheinlich ein Gas-Luft-Gemisch bei der Sprengung eingesetzt", sagt Anja Meis, Pressesprecherin der Polizei.

Die Sicherheitsbehörden kämpfen schon seit geraumer Zeit gegen einige in Verdacht stehende Banden aus etwa 200 bis 250 Personen, die immer wieder Bankautomaten sprengen, Es gebe aber auch örtliche Gruppen und Einzeltäter, sagte Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes in Düsseldorf. Diese Gruppen sollen allein im laufenden Jahr bislang 63-mal in Nordrhein-Westfalen zugeschlagen und dabei stets ein erschreckendes Maß an "Professionalität" an den Tag gelegt haben. Zuletzt gab es ähnliche Überfälle auf Geldautomaten in Solingen und Wuppertal.

"Wir gehen davon aus, dass die Täter mit hoher Geschwindigkeit arbeiten und sich gut vorbereiten", sagte Scheulen. So überlassen die Täter, die zumeist niederländische Staatsbürger marokkanischer Abstammung sein sollen, nichts dem Zufall. Von der Auswahl des Tatorts über die Planung der Fluchtroute bis hin zur Beschaffung der Fahrzeuge - alle Eventualitäten werden nach Überzeugung der Fahnder von den Bandenmitgliedern exakt abgewogen. Doch nur jeder zweite Überfall ist erfolgreich, sagt Scheulen. Das häufigere Scheitern sei unter anderem auf die Präventionsmaßnahmen der Banken zurückzuführen, die auf Anregung der Polizei erfolgen. Aber auch Fahndungserfolge und Haftstrafen bis zu elf Jahren führten zu einem Rückgang der Fallzahlen. In den vergangenen Monaten ging in Köln beziehungsweise im ostwestfälischen Löhne eine Gruppe von Männern der Polizei ins Netz, die unter anderem dafür verantwortlich sein soll, im Oktober 2016 einen Automaten in Solingen in die Luft gejagt zu haben.

Quelle: RP