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Remscheid
Unglückliche Wahlverwandtschaften

Remscheid: Unglückliche Wahlverwandtschaften
Remscheid. Im Teo Otto Theater gab es eine viel umjubelte Aufführung von Esther Villars Stück "Mr. & Mrs. Nobel". Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist eine Liebe, die eigentlich nicht sein sollte, eine Verbindung, die nicht sein konnte: Bertha von Suttner, die wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für den Frieden als "Friedensbertha" bekannt geworden ist und 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis verliehen bekam, und Alfred Nobel, Erfinder des Dynamits und Stifter der nach ihm benannten Nobelpreise, lernen sich eher zufällig über eine Zeitungsannonce kennen. Er sucht eine Haushaltshilfe, sie ist auf der Suche nach Arbeit und gleichzeitig auf der Flucht vor ihren Gefühlen, die sie für den Baron Arthur von Suttner hegt.

Im Paris des Jahres 1876 kreuzen sich ihre Wege erstmals, in der Folge trennen sich ihre Wege wieder, doch im Herzen sind die beiden bis zu Nobels Tod im Jahr 1896 vereint - und noch darüber hinaus. Denn auf von Suttners Anregung gründet der ständig zweifelnde Nobel die Stiftung, die fortan bis heute jedes Jahr den Nobelpreis verleiht.

Im Schauspiel "Mr. & Mrs. Nobel" der argentinisch-deutschen Schriftstellerin Esther Villar, das in der Produktion der a.gon Theater GmbH aus München und unter der Regie von Werner Haindl am Sonntagabend im Teo Otto Theater aufgeführt wurde, vermischte sich auf gekonnte Art und Weise Fakt und Fiktion, so dass man als Zuschauer gar nicht wusste, wo denn die Trennlinie verläuft.

Die Liebe der beiden, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein könnten, muss geheim bleiben. Schließlich kämpft von Suttner (jung und dynamisch: Katharina Haindl, als gealterte Frau immer noch voller Leidenschaft: Christiane Hammacher) mit aller Kraft für den Frieden, und Nobel (zerrissen zwischen Gefühlskälte und Herzlichkeit: Michael Roll) wird landauf, landab als "Händler des Todes" bezeichnet; sogar in einem fälschlicherweise ihm gewidmeten Nachruf, der eigentlich seinem Bruder galt. Dramaturgisch äußerst geschickt war der Kniff, die ältere Bertha von Suttner ihr Leben, ihre Liebe zu Nobel und den Weg vom Dynamit zum Friedensnobelpreis in der Dankesrede zur Verleihung eben dieses Friedensnobelpreises an sie selbst erzählen zu lassen.

Spot an auf die ältere Dame, die immer wieder auch die vierte Wand in ihre Vergangenheit durchbrach und somit für eine Verwischung der Realitäten auf der Bühne sorgte - und gleichzeitig die erzählerische Klammer im Stück bildete.

Auch die eigentlichen Beziehungen von Bertha von Suttner und Alfred Nobel, nämlich ihre zu dem Baron Arthur von Suttner (zwischen komisch und tragisch schwankend: Michael Gaschler) und seine zu dem ehemaligen Blumenmädchen Sofie Hess (etwas kurzer Auftritt in einer leider etwas farblosen Rolle: Sibille Helfenberger) wurden geschickt herausgearbeitet. Es ist aber die Liebe von Alfred Nobel zu Bertha von Suttner, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt, ob sie nun historisch korrekt sein mag oder pure Erfindung Esther Villars.

Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt war dann wieder der brillanten Christiane Hammacher gegönnt, die unter anschwellenden MG- und Explosionsgeräuschen ihre Rede mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für den Frieden sprichwörtlich mit einem Kanonenschlag zu Ende brachte.

Bertha von Suttner, die "Friedensbertha", starb nur wenige Tage vor dem Ausbruch des von ihr vorhergesagten Ersten Weltkriegs. Großartiges Theater, das nachdenklich macht. Das Publikum feierte die Schauspieler mit frenetischem Beifall.

Quelle: RP
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