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Remscheid
Verhasselts ironisches Spiel mit Worten

Remscheid: Verhasselts ironisches Spiel mit Worten
Der Kabarettist Stefan Verhasselt gastierte im Rotationstheater. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Wie viel Hintersinn steckt doch in der Binsenweisheit: "Wer kommt, der kommt". Man kann zu früh kommen, zu spät kommen, überhaupt nicht kommen, jemanden oder etwas kommen sehen, in die Gänge kommen, zu kurz kommen, zu sich kommen und sogar zu Tode kommen.

Der Kabarettist Stefan Verhasselt hat diese Redewendungen alle aufgeschnappt - das Zuhören ist der Stoff, aus dem er seine Programme baut. Er hätte es nicht besser treffen können.

Den Leuten aufs Maul schauen, ihre Geschichten weiter erzählen und manchmal nur ein kleines bisschen übertreiben - das garantiert Feixen und Schmunzeln und macht den Erzähler sympathisch. Verhasselt ist Niederrheinländer; also nimmt er meistens seine Landsleute aufs Korn. Aber auch das kommt im Bergischen - diesmal im Lenneper Rotationstheater - bestens an. So verschieden sind Niederrheinländer, Rheinländer und irgendwo dazwischen die Bergischen gar nicht.

Viele sprachlichen Eigenheiten kannten auch die Leute in Lennep. Etwa "ein Tun". Damit ist nicht ein kompletter Thunfisch gemeint, sondern das Verbinden mehrerer Tätigkeiten ohne großen Mehraufwand. Wenn also die treu sorgende Ehefrau ihrem Göttergatten, der sich zur Tankstelle davonstehlen will, um nicht den Müll herausbringen zu müssen, anweist: "Dann kannst Du gleich den Müll mit rausbringen und hinterher noch zu meiner Mutter fahren, um den Pullover abzuholen, den sie dir gestrickt hat - das ist ein Tun.". Dann hat die Frau diese niederrheinische, alles verniedlichende "Befehlsform" angewandt.

Genau wie "betuppen". Wird die herzensgute Oma mit dem Enkeltrick betrogen, so klingt das hart. Wird sie aber stattdessen "betuppt", dann sieht alles halb so schlimm aus. Andere Schmunzelbegriffe sind "tot geblieben" - "Der Notarzt kam zu spät, deswegen ist er tot geblieben."

Oder "meistens immer" - "Sie kommt meistens immer zu spät." Ja, was denn nun? "Meistens"? Oder "immer"? So reihte Verhasselt eine Wendung nach der anderen auf ("ganzer Tisch frei", "letzter Rest"), und die Leute hatten ihren Spaß.

Weil sie sich oft darin wiedererkannten: Der Partygast, der eine Dreiviertelstunde "zu früh kommt", die Eltern, die eh immer zu früh kommen ("Seid ihr noch nicht fertig?"), die "Im-Flugzeug-Zuerst-Aufsteher", der notorische "Zu-spät-Kommer", gefolgt vom "Zu-früh-Geher". Nationalstolz gab's auch: "Möhren-Untereinander können die Italiener nicht."

Verhasselt versteht die Kunst, den Leuten den Spiegel vorzuhalten, ohne ihnen die Leviten zu lesen.

(bg)
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