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Remscheid
Verlierer ließ lange auf sich warten

Remscheid: Verlierer ließ lange auf sich warten
In Begleitung von der früheren Oberbürgermeisterin Beate Wilding kam Sven Wolf gestern Abend ins Ämterhaus. Er hat die Wahl klar verloren. FOTO: Jürgen Moll / Christian Peiseler (3)
Remscheid. Die Wahlergebnisse im Ämterhaus liefen nur sehr schleppend ein. Kritik am Wahlkampfteam der SPD. Von Christian Peiseler

Als Hans-Peter Meinecke, der langjährige SPD-Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende im Rat, das Ämterhaus schon früh am Abend betrat, fühlte er sich an das für ihn schmerzlich Jahr 2005 erinnert. "Ich weiß, wie das ist, wenn man verliert", sagte Meinecke. Seine damalige Gegenkandidatin der CDU, Elke Rühl, wollte gestern auch dabei sein, als ihr Parteifreund Jens Nettekoven zum zweiten Mal in der Geschichte der Stadt Remscheid für die CDU den Wahlkreis gewann. "Ich habe mit dem Sieg gerechnet, auch in dieser Deutlichkeit", sagte Rühl. Einen so klaren Abstand zur CDU hatte Meinecke nicht erwartet. Aber mit eine Niederlage. "Die CDU hat einen starken Wahlkampf gemacht," sagte Meinecke. Er übte deutliche Kritik an dem Wahlkampfteam der Landespartei. Dem schloss sich auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz an.

Die erste Hochrechnung aus den Wahlbezirken sollten eigentlich gegen 18.45 Uhr bekanntgegeben werden. Doch Wahlleiter Christian Henkelmann musste die unruhigen Nachfrager immer wieder vertrösten. "Genauigkeit geht vor Schnelligkeit", sagte Henkelmann. Bei der vorigen Landtagswahl seien nämlich Pannen passiert, weil nicht richtig ausgezählt wurde. Einige Besucher zeigten aber ihr Unverständnis, dass auch nach 20 Uhr, als in der Tageschau schon mit den Siegern und Verlierern über die Zukunft gesprochen wurde, in Remscheid die Ergebnisse aus den 92 Stimmbezirke (inklusive Radevormwald) weiter schleppend eintrudelten. Per Telefon meldeten sich die Wahlhelfer aus den Stimmbezirken und gaben die Ergebnisse durch.

Für die Anhänger der CDU war nach gut einer Stunde klar, dass sie die Wahl auch in Remscheid mit den Erst- und Zweitstimmen gewonnen hatten. Mit fast 1000 Stimmen Vorsprung führte Jens Nettekoven gegen 19.30 Uhr. Aber siegesgewiss zeigte er sich nicht. Er wollte abwarten. An dem Vorsprung änderte sich nur zwischenzeitlich etwas. Mal waren es nur 600 Stimmen vor Wolf. Dann wieder gut 1000 Stimmen.

Warten auf Sven Wolf, den Verlierer. Der Wartesaal im Ämterhaus leerte sich zusehends. Die Wahl werteten die meisten Gäste als entschieden. "Als wir hier vor fünf Jahren mit 26 Prozent standen, haben wir uns auch gestellt", sagte Lenneps Bezirksbürgermeister Markus Kötter. Doch Wolf ließ sich Zeit. Erst um kurz nach 20.30 Uhr kam er zusammen mit der früheren SPD-Oberbürgermeisterin Beate Wilding und dem Kreis-Parteivorsitzenden Sven Wiertz die Treppe zum Ämterhaus hinauf und gratulierte fair seinem politischen Herausforderer. Beate Wilding lobte die Arbeit von Sven Wolf. "Er hat uns damals sehr geholfen, als falsche Zahlen für den Stärkungspakt vorlagen", erinnerte sich Wilding. Ohne ihn hätte Remscheid weniger Geld bekommen. Das sagte auch Frank vom Scheidt über Jutta Velte, die Landtagskandidatin der Grünen. "Die Jutta hat sich damals unwahrscheinlich für Remscheid eingesetzt", sagte vom Scheidt, der freimütig zugab, schon bessere Tag als gestern erlebt zu haben. "Wir können Opposition", gab er sich optimistisch.

Mit Kopfschütteln quittierten manche die Ergebnisse der AfD, die in Remscheid klar vor den Linken lag. Meinecke: "Es geht ein Rechtsruck durch Deutschland."

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Quelle: RP
 
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