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Remscheid
Viele Opfer nutzen Hilfsangebote nicht

Remscheid. Der Weiße Ring hat den Jahresbericht vorgelegt. 2015 suchten weniger Opfer von Sexualverbrechen Hilfe. Die Zahl derer, die sich helfen lassen wollen, bewegt sich seit Jahren auf niedrigem Niveau. Von Tim Harpers

Im ersten Moment klingt es so, als sollte Hans-Dieter Troll, der ehrenamtliche Leiter des Weißen Rings in Remscheid, zufrieden sein. Nur 18 Opfer wendeten sich im vergangenen Jahr an den Pensionär, um Hilfe zu bekommen. Die Arbeit ist aufwendig, aber noch überschaubar. Seine Kollegen in Wuppertal haben da ein deutlich schwereres Kreuz zu tragen. Mehr als 200 Fälle gibt es dort im Jahr. Mehr als 200 Menschen, die Opfer von Verbrechen wurden, und sich vom Weißen Ring Hilfe versprechen.

Und da liegt auch schon das Problem. "Sicher", sagt Troll. Es sei schon froh, dass er in einer relativ sicheren Stadt lebe. Das habe ja auch die Kriminalitätsstatistik gezeigt. Und die Zusammenarbeit mit den Remscheider Behörden klappe auch ganz gut. "Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass unsere Zahlen ruhig noch etwas höher sein könnten", sagt er. "Sie liegen seit Jahren auf niedrigem Niveau. Viele Opfer wissen schlicht und ergreifend nichts von ihren Rechten und von den Hilfsmöglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen."

Zwei Drittel der Opfer, die im vergangenen Jahr den Weg zur Geschäftsstelle gefunden haben, hatten mit Körperverletzungen und häuslicher Gewalt zu tun. Ungewöhnlich sei, so Troll, dass so wenige Opfer von Sexualverbrechen zum ihm gekommen wären. "Die stellen im Normalfall eigentlich die größte Gruppe", sagt der Opferschützer. "Doch diese Leute haben natürlich auch immer die größten Hemmungen, sich Hilfe zu holen." Dafür gibt es nach Ansicht des Leiters der Außenstelle des Weißen Rings aber keinen Grund. "Unser Geschäft ist die Hilfe", sagt er. "Wir hören jedem erstmal zu und schauen dann, wie wir helfen und wie wir weiter vorgehen können". Dabei habe er es schon mit allem Möglichen zu tun gehabt. "Manchmal ist es richtig hart", sagt er. "Eine Lösung haben wir aber bisher noch immer gefunden".

Das Angebot der Opferschützer setzt bewusst niederschwellig an. "Egal um welches Verbrechen es geht", sagt Troll. "Von uns bekommt jeder Hilfe, wenn es irgendwie vertretbar ist." Im vergangenen Jahr habe er zum Beispiel einer behinderten Rentnerin helfen können, die durch einen Trickdiebstahl in wirtschaftliche Not geriet. Natürlich habe man erst einmal die finanziellen Verhältnisse der Frau überprüfen müssen, dann sei aber alles sehr schnell gegangen.

Die Unterstützung, die seine Einrichtung anbietet, könne sowohl finanzieller als auch administrativer Art sein. "Wir helfen mit Geld, aber wir vermitteln auch", sagt Troll. "Man kann von uns zum Beispiel Anwaltskosten erstattet bekommen. Und wenn jemand psychologische Betreuung braucht, machen wir auch das möglich."

Der Weiße Ring sieht sich dabei allerding nur als ein Rädchen im großen Getriebe Opferschutz. "Wir sind froh, dass es noch andere Einrichtungen gibt, die helfen", sagt Troll. Als Beispiele nennt er die Frauenberatungsstelle und die Kinderschutzambulanz am Sana-Klinikum. "Meine Botschaft ist klar. Holen Sie sich Hilfe. In Remscheid brauchen Sie nicht zu leiden. Angebote gibt es genug."

Quelle: RP
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