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Ansichtssache
Visionen von der Zukunft braucht die Stadt

Remscheid. Es ist schwer vorstellbar, dass Bürger auf der Alleestraße jubeln, wenn sie Reden vom Ende der Schuldenfalle hören. Von Christian Peiseler

Die neue SPD-Vorsitzende des Unterbezirks Remscheid, Christine Krupp, schreibt auf ihrer Homepage, sie sei stolz, dass Remscheid es geschafft habe, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Als Ratsmitglied kennt sie die Kämpfe um jeden Euro, damit die strengen Vorgaben der Bezirksregierung auch erfüllt werden. Leider hat mit diesem Stolz die Vermerkelung der Kommunalpolitik Einzug gehalten. Die "schwarze Null" in Berlin entspricht dem ausgeglichenen Haushalt in Remscheid. Das mag manche beruhigen, aber die reine Freude ist es nicht. Hier soll keiner blinden Verschuldungspolitik das Wort geredet werden. Aber das krampfhafte Festhalten am Erreichen der Sparziele zeigt auch, wie ideenlos Politik geworden ist. Schwer vorstellbar, dass Bürger auf der Alleestraße jubeln, wenn sie Reden vom Ende der Schuldenfalle hören. Ein Zustand, der nur von vorläufiger Natur sein soll. Mit so einer Politik begeistert man kaum Wähler. Auch wenn Altbundeskanzler Helmut Schmidt gesagt hat, wer Visionen hat, muss zum Arzt, Politik und Wähler brauchen konkrete Vorstellungen davon, wie die Zukunft gestaltet werden soll. Nach welchen Prioritäten. Remscheid kann stolz sein auf seine Kindergärten und Schullandschaft. Die Stadt müsste aber noch deutlich mehr Geld investieren, um besser zu werden. Remscheid könnte sich auch zum Ziel setzen, die beste Stadt in Nordrhein-Westfalen beim Angebot für Senioren zu werden. Oder die erste Stadt in der Region zu sein, die beim öffentlichen Nahverkehr komplett ohne Verbrennungsmotoren auskommt. Alles Hirngespinste? Träumerei? Kopfgeburten ohne Finanzierungsnachweis? Ja, auf den ersten Blick. Doch was ist die Alternative? Häufig hört man die Klage, die Bürger identifizieren sich nicht mehr mit ihrer Stadt. Die Individualisierung nimmt zu, das Interesse am Gemeinwohl ab. Es gibt nur noch Nörgler. Der Kniefall vor der "schwarzen Null" schafft keine Identifikation. Man kann sie nicht anfassen, fühlen oder erleben. Aber lachende Kinder, zufriedene Senioren, sauberer Busse - darauf ließe sich stolz sein. Das hat Priorität.

CHRISTIAN PEISELER

Quelle: RP
 
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