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Remscheid
Vom Leben mit Nebenwirkungen

Remscheid. "Ferien auf Sagrotan" - bei einer Tour de Force durch die Welt der Keime griff Kabarettist Ingo Börchers in der Klosterkirche auch verbal häufiger zur Sprühflasche. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ingo Börchers, Kabarettist aus Ostwestfalen-Lippe, ist in seinem neuen Programm "Ferien auf Sagrotan" von einer Sache ganz fest überzeugt: "Leben hat Nebenwirkungen. Das ist übrigens, für die, die es eilig haben, auch die Quintessenz des heutigen Abends", sagte Börchers, im karierten Anzug und mit Joko-Winterscheidt-Brille angetan, gleich zu Beginn.

Diese These machte er dann im Verlauf des Abends in der Klosterkirche an verschiedensten Begebenheiten fest: "Seit wir die Raucher zum Rauchen rausschicken, sterben die nicht mehr an Lungenkrebs. Sie erfrieren." Und weiter: "In flachen Hierarchien ist der Chef nicht mehr der Chef, sondern eben der Kollege, der zufälligerweise immer recht hat." Diese meist recht treffsicheren Gags haute Börchers in ziemlich hoher Frequenz raus, sprang dabei aber auch von Thema zu Thema.

Denn der andere große Themenbereich von "Ferien auf Sagrotan" war schon aus dem Programmtitel ersichtlich: Bakterien, Keime und deren Vermeidung. Dazu passte auch die Bühnendekoration: die titelgebende Sprühflasche mit dem Desinfektionsmittel genügte da. Börchers gerierte sich als Hypochonder vor dem Herrn: "Es gibt auch Tage, an denen ich mich fit und vital fühle. Aber dann setze ich mich an den Küchentisch und sage zu mir selbst: Ingo, keine Panik, das geht vorbei." Ein Wunder, dass er sich mit seiner Frau auf den Kompromiss zwischen Zelturlaub und Fünf-Sterne-Hotel hat einigen können - das Camping-Wohnmobil, denn: "Haut und Darm und Haar sind sozusagen Campingplätze für Bakterien."

Was ein echter Kabarettist ist, der bringt auch politische Themen ins Spiel: "Millionen Facebook-User posteten im Zuge der Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung, dass sie sich Sorgen um ihre privaten Daten machen. Hallo, merkt eigentlich irgendjemand noch was?!" Dabei sei Facebook doch eigentlich etwas Gutes, schließlich könne man da auch Freunde hinzufügen und wieder entfernen: "Da bekommt der Begriff 'entfernter Bekannter' gleich eine ganz neue Dimension", meinte Börchers trocken. Und natürlich gehören auch Beziehungskisten zum Repertoir: "Es ist für mich ja nicht nur die Angst vor Keimen, es ist das Ritual des Reinigens an sich", meinte er, während er zum ersten Mal die Sagrotan-Flasche benutzte. Mit Blick auf den Ehering fügte er fatalistisch hinzu: "Ich bin ja verheiratet. Wenn ich schon kein freies Leben mehr führen kann, dann wenigstens ein keimfreies."

Börchers Tour de Force durch die Welt der Keime kam beim Publikum sehr gut an. Mal wurde leise geschmunzelt, dann laut gelacht, es waren aber auch die Zwischentöne - Kichern, Glucksen und Applaudieren - zu vernehmen. Was letztlich für einen gelungenen Abend spricht.

Quelle: RP
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