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Remscheid
Von der Taschengeldbörse profitieren alle

Remscheid. Die Taschengeldbörse der Diakonie Remscheid ist ein Projekt, das langsam den geförderten Kinderschuhen entwächst. Seit 2015 gibt es das Angebot, das zunächst durch den Europäischen Sozialfonds gefördert wurde, seit Anfang dieses Jahres jedoch auf eigenen Beinen stehen muss. Von Wolfgang Weitzdörfer

Da die Mittel knapp sind, das Projekt aber durchaus "eine Herzensangelegenheit der Diakonie Remscheid ist", wie es Diakonie-Geschäftsführer Florian Schäfer ausdrückt, ist man zur Weiterführung auf Spenden angewiesen.

2000 Euro sind jetzt von der Remscheider Volksbank dazugekommen - eine Summe, die die Planungen für das kommende Jahr sehr viel leichter machen, wie Projektentwickler Andreas Bunge dankbar sagt: "Die Taschengeldbörse kostet etwa 10.000 Euro pro Jahr. Wir sehen sie zudem auf jeden Fall als zu etablierendes Zukunftsprojekt, denn sie ist im innerstädtischen Bereich ein wichtiges Element für die Versorgungsqualität im Alter."

Das Prinzip ist ganz einfach, erklärt Natalia Talmon, die das Projekt leitet: "Wir stellen den Kontakt zwischen Jugendlichen und Menschen der Generation 50+ oder mit einer Schwerbehinderung her. Es gehört zum Prinzip der Caring Community, also dem Miteinander Generationen im Quartier." Derzeit sind 73 Jugendliche und 42 Jobanbieter registriert. Einer, der einen Job anzubieten hat, ist Carl-Otto Arends (Foto: Schütz). Der 68-Jährige ist unvermittelt von einer schweren Behinderung betroffen worden und daher auf Hilfe angewiesen. Da er und seine Frau selbst keine Kinder haben, hat er sich an die Taschengeldbörse gewandt. Vor etwa einem Jahr ist ihm mit dem damals 17-jährigen Christopher Borgmeier ein junger Mann vermittelt worden, der ihm seitdem tatkräftig zur Seite steht.

"Das ist eine klassische Win-win-Situation, mit der ich nicht zufriedener sein könnte", sagt Arends, "Christopher packt gut an und ist sehr offen", lobt der 68-Jährige seinen jugendlichen Helfer und fügt an: "Er ist sehr aufgeschlossen, da ist nix von wegen Null-Bock-Generation."

Im Haus von Carl-Otto Arends kümmert sich Borgmeier ein- bis zweimal pro Woche vor allem um den Garten und handwerkliche Tätigkeiten - und profitiert dabei auch von der beruflichen Erfahrung seines Arbeitgebers. "Ich habe Christopher zum Beispiel gezeigt, wie man mit einer Bohrmaschine umgeht", sagt Arends, der selbst in der Automobilindustrie mit Auszubildenden gearbeitet hat.

Gute Arbeit soll gut entlohnt werden, das ist Arends' Motto: "Christopher bekommt von mir zehn Euro pro Stunde, einen Euro fünfzig mehr als den Mindestlohn." Borgmeier hat sich so seinen Führerschein finanziert.

Quelle: RP
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