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Remscheid
Vorbeugen gegen seelische Krankheiten

Remscheid. Lässt sich psychischen Krankheiten vorbeugen? Mit diesem spannenden und teilweise noch wenig erforschten Thema eröffnete Dr. Jörg Hilger, Leitender Arzt der Stiftung Tannenhof, am Dienstagabend vor rund 20 Gästen, die dritte "Remscheider Woche zur seelischen Gesundheit" im Foyer der Zentralbibliothek. Von Cristina Segovia-Buendía

In der Körpermedizin ist es Gang und Gebe: beim Haus- oder Zahnarzt gehen die meisten Bürger regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung, um eventuelle Ansätze von Karies und Co. oder vielleicht auch im inneren schlummernden Gewebeknoten, die sich zu bösartigen Tumoren entwickeln könnten, möglichst früh aufzuspüren. Doch wie sieht es mit der psychischen Gesundheit aus? Wer überwacht und überprüft, ob seelisch mit uns alles in Ordnung ist oder ob wir kurz vor einer Depression oder Suchterkrankung stehen? "In der Psychiatrie gibt es keine klassische Primärprävention. Wir handeln erst, wenn es etwas zu behandeln gibt", sagt Hilger. Der Grund dafür sei zu wenig gesichertes Wissen darüber, wie sich psychische Erkrankungen im Vorfeld schon vermeiden lassen. Außerdem gehe kein Patient vor Ausbruch einer Störung zum Psychiater. Dabei entwickeln sich solche Erkrankungen schleichend und bestünden aus vielen kleinen Faktoren, die vereinzelt unauffällig seien, erklärte der Facharzt.

Weitestgehend gesichert ist dagegen die Annahme, dass Stress ein maßgeblicher Faktor für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung ist. "In solchen Fällen versuchen wir, vereinfacht ausgedrückt, den Menschen ein dickeres Fell anzutrainieren, damit sie besser mit dem Stress umgehen können." Es gebe zwar einige Programme, die darauf zielen, eine gesündere Lebensform für Körper und Geist zu fördern, wie und ob sie überhaupt wirken, "ist wissenschaftlich, langfristig überhaupt nicht geprüft", bemerkte Hilger. Eine Ausnahme seien die Suchterkrankungen: "Die sind im Vergleich zu allen anderen Krankheitsbildern doch recht gut erforscht, vor allem was die Rückfallprophylaxe angeht."

Die Präventionsforschung von psychischen Erkrankungen sei problematisch weil, "es eine sehr aufwendige, über viele Jahre wenn nicht Jahrzehnte andauernde Forschung ist. Wer soll das zahlen?" Und wo sollen die Probanden herkommen? Gesunde Menschen, die für eine wissenschaftlich fundierte Aussage sogar in sehr großen Mengen gebraucht werden, müssten über Jahrzehnte begleitet werden, um feststellen zu können, wer unter welchen Umständen eine psychische Erkrankung entwickelt.

Quelle: RP
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