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Remscheid
Vorlesen - aber bitte mit Ausstrahlung

Remscheid. Vorlesen kann jeder. Aber wer mit Ausdruck vorlesen und den Zuhören fesseln möchte, braucht ein paar Tipps. Bibliothekarin Ulla Schult hat sie. Von Cristina Segovia Buendia

In die Kunst des Vorlesens führte Diplom-Bibliothekarin Ulla Schulz acht interessierte Paten ein. Neben einer vernünftigen, zielgruppengerechten Buchauswahl und einer entsprechenden Vorbereitung lernten die Teilnehmer vor allem die richtige Technik kennen, um eine Geschichte spannend vorzulesen.

Nur weil jemand gut und gerne liest, heißt es nicht, dass derjenige auch gut vorlesen kann: "Wenn der Vorleser eine Ausstrahlung wie eingeschlafene Füße hat, wird das nichts", sagt Ulla Schulz vorneweg. Und sie muss es wissen, schließlich hat sie als Diplom-Bibliothekarin nicht nur mehrere Generationen Remscheider Kinder ans Lesen herangeführt und mit Lesestoff in der Kindern- und Jugendbücherei versorgt, sie liest auch selbst regelmäßig vor dem bunten Regenbogen in der Leseecke der Zentralbibliothek an der Scharffstraße Kindern vor.

Seit mehreren Jahren bildet sie Vorlesepaten aus, die danach ehrenamtlich in der Bücherei, in Kitas, einer OGS, aber auch in Krankenhäusern und Seniorenheimen vorlesen. Die Motivation der neuen Teilnehmer war vielfältig, Spaß hatten sie alle gleichermaßen. "Ich liebe Kinderbücher und würde gerne in Kindergärten und Altenheimen vorlesen", sagte Teilnehmerin Susanne Völkel. Andere wiederum sind als Erzieher oder Lehrkräfte in Kitas, Grundschulen oder gar in der Erwachsenenbildung tätig und nutzten das Kursangebot als Weiterbildung. Tini Grenz war sogar aus Haan nach Remscheid gekommen, um sich zur Vorlesepatin ausbilden zu lassen. "Ich mache es aus Spaß an der Freude. Ich habe eine siebenjährige Tochter, der ich gerne vorlese. Und ich könnte mir gut vorstellen, so ein Ehrenamt auszuführen." Auch über die Stadtgrenzen hinaus versucht Ulla Schulz ein Netzwerk aus Vorlesern aufzubauen, um die schöne Tradition des Vorlesens wieder aufleben zu lassen. Denn das Vorlesen ist, zumindest bei den Jüngsten, der erste Schritt, um sie für Literatur zu begeistern. Und wer das gut macht, zieht sich eine neue Generation von leidenschaftlichen Lesern heran. Entsprechend viel Mühe gaben sich die Teilnehmer: Am Ende des Seminars lasen sie sich gegenseitig aus Kinderbüchern vor, setzten dafür - wie zuvor gelernt - verschiedene Stimmhöhen ein, variierten Betonung und Tempi, fügten Pausen ein, um das Vorlesen spannend zu gestalten und ihre Zuhörer zu fesseln.

Nach jeder Seite wurden die bunten Bilder in die Runde gezeigt. Es wurde viel gelacht als ihnen bewusst wurde, dass sie in diesem Moment auch etwas Gutes für sich taten, denn für diesen kurzen Augenblick hatten sie ihr unbeschwertes kindliches Ich wiedergefunden.

Quelle: RP
 
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