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Remscheid
Vorsicht, Rattenfänger!

Remscheid: Vorsicht, Rattenfänger!
Die Gaststätte verwandelt sich im Stück in ein Widerstandsnest gegen ein Bauvorhaben. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die Berliner Compagnie gastierte mit einer rasanten und aufrüttelnden Komödie zum Thema Klimawandel in Remscheid. Das Hauptstadt-Ensemble spielte auf Einladung des Caritasverbandes und der ökumenischen Initiative Lüttringhausen im Rahmen der Weltbaustellen-Kampagne und der Fairen Wochen im CVJM-Saal. Von Cristina Segovia-Buendía

Knapp 70 Besucher lockte es am Mittwochabend nach Lüttringhausen, wo die Berliner ein gelungenes Stück auf die Bühne zauberten. Die Geschichte: Die Küche einer links-gesinnten Gaststätte verwandelt sich angesichts des Baus eines neuen Kraftwerks in direkter Nachbarschaf in ein Widerstandsnest gegen das Bauvorhaben.

Angestachelt durch Doris Querfeld (Natascha Menzel), Tochter der Gasthof-Inhaber und überzeugte Revoluzzerin, nimmt es das kleine Gaststättenpersonal, unter denen sich auch ein illegaler Migrant aus Afrika befindet, nach langem Zögern mit dem Energieriesen auf. Wirtin Ulrike Querfeld-Hüsch (Elke Schuster) lehnt auf Druck der Tochter einen Millionen-Deal mit dem Energiekonzern ab, der sich bereit erklärt hatte, ihre verschuldete Gaststätte zu kaufen. Stattdessen lenkt auch aus Mitgefühl ihres afrikanischen Mitarbeiters und Klimaflüchtlings Ibrahim (Rondo Beat) gegenüber das alte Wirtspaar ein. Es kämpft mit einem neuen, nachhaltigen und umweltfreundlicheren Küchenkonzept, gegen die "Umweltsünder" der Energiekonzerne an. Von der alt-bürgerlichen Küche von Altkoch Norbert Querfeld (H.G Fries) verwandelt sich die Gaststätte, nun angeführt durch Koch Wolfgang Hack (Dimo Wendt), in ein trendiges Veggie-Lokal und durch Installation einer kleinen Photovoltaikanlage bald auch in einen energetischen Eigenversorger. Zeitgleich mobilisieren Doris und Bruder Hansi (Jean-Theo Jost) die Bürger. Dass die Umstellung auf erneuerbare Energien so viel kostspieliger sei und nicht ausgereift genug, um die Versorgung zu sichern, bestreitet Doris vehement: "Alles nur eine Masche der Energiekonzerne, um ihren Profit zu sichern."

Dass es auch anders geht, beweist die kleine Gaststätte, die am Ende des Stückes als glorreicher Sieger aus dem ungleichen Kampf hervorgeht.

All das passiert im Stück nur aus dieser Kulisse heraus. Szenenwechsel gibt es nicht. Dafür erfährt der Zuschauer eine Menge an Fakten durch längere Dialoge zwischen den Figuren oder durch Lieder, in denen sie als Sänger glänzen. Ein Stück, das schauspielerisch und szenisch überzeugte, jedoch angesichts der Tragweite seines Inhaltes definitiv zu rasant verlief.

Eine Komödie, die dennoch noch zum Nachdenken anregt.

Quelle: RP
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