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Remscheid
Warum Bauern knallhart rechnen müssen

Remscheid. Ortstermin auf dem Bauernhof - Landtagsabgeordneter Sven Wolf (SPD) musste sich Kritik anhören. Von Stefanie Bona

Bei Markus Burghoff genießen die Kühe den Stall mit Aussicht. 60 Tiere haben in der hellen, an große Wiesen und Weiden angrenzenden Halle Platz, um sich frei zu bewegen. Selbstständig laufen sie zum vollautomatischen Melkstand oder lassen sich von großen Bürsten das Fell massieren. Im Winter kann die Wetterseite des großzügigen, überdachten Unterstands geschlossen werden. Vor zwei Jahren hat der junge Landwirt, der den Hof an der Schwelmer Straße von seinen Eltern übernommen hat, die Stallungen errichtet und dafür 600.000 Euro investiert. Der Fokus des Betriebs liegt auf der Milchwirtschaft.

"Bauernhof hat heute nichts mehr mit romantischer Idylle zu tun. Da muss knallhart betriebswirtschaftlich gerechnet und kalkuliert werden", sagte Remscheids SPD-Landtagsabgeordneter Sven Wolf, der sich gestern mit dem Vorstand der Kreisbauernschaft Mettmann zu einem Austausch auf dem Lenneper Hof traf. "Wir sind von der Anzahl der Mitgliedshöfe eher ein kleinerer Verband, mit Blick auf die Größe der Bevölkerung aber ein großer", sagte Vorsitzender Martin Dahlmann. Auf Verbandsgebiet habe man es mit 29 Landtagsabgeordneten zu tun. Mit ihnen suche man regelmäßig das Gespräch, um auf aktuelle Probleme aufmerksam zu machen.

In dieser Hinsicht wurde beim Pressegespräch im Kuhstall deutlich, dass man auf den grünen Partner in der Düsseldorfer Regierungskoalition nicht gut zu sprechen ist, der aus Sicht der Landwirtschaft zahlreiche Auflagen durchsetzt, die den Unternehmern ein auskömmliches Wirtschaften schwer machen. "Die Landesgesetzgebung trägt nicht dazu bei, dass Familienbetriebe dauerhaft erhalten bleiben, was sich ja eigentlich jeder wünscht", kritisierte Dahlmann.

Als Beispiel nannte er die Vorschrift, bei der Schweinehaltung einen Luftfilter einbauen lassen zu müssen, wenn die Anzahl der Tiere auf einem Hof 1500 übersteigt. Diese Investition von rund 50.000 Euro veranlasse manchen Landwirt zur Aufgabe. "Man hat das Gefühl, dass die Kommunikation abhanden gekommen ist. Wenn man versuchen würde, Ziele gemeinsam zu erreichen, hätte man schnellere und nachhaltigere Lösungen", findet Markus Burghoff.

Generell stünde die Bauernschaft dem Umwelt- und auch dem Tierschutzgedanken nicht ablehnend gegenüber. "Ich selbst bin bemüht, meinen Tieren den höchstmöglichen Komfort zu bieten. Denn ich möchte, dass es ihnen gut geht. Schließlich lebe ich von ihnen", hob Burghoff hervor.

Die immer neuen Anforderungen an die Landwirtschaft machten eine rentable Betriebsführung aber schwer. Beispielsweise hätte er den Tierbestand gerne auf 120 Kühe erhöht und dafür die entsprechenden Ställe gebaut. Mit Rücksicht auf die Nachbarn habe er aber von diesem Vorhaben Abstand genommen. Im Übrigen hätte er sich sowieso an den Auflagen des Immissionsschutzes orientieren müssen. "Man muss heute als Landwirt in allen Bereichen ein Fachmann sein. Ist man das nicht, muss man sich fachkundige Hilfe holen", zeigt er den bürokratischen Aufwand auf.

Sven Wolf hat die Botschaft verstanden und will die Anregungen aus der Praxis mit in den politischen Diskurs nehmen.

Quelle: RP
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