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Remscheid
Warum der Stein ein guter Lehrer ist

Remscheid: Warum der Stein ein guter Lehrer ist
Thomas Hundhausen fertigt Grabsteine ebenso wie freie Skulpturen. Handwerk und Kunst lassen sich nicht immer streng voneinander trenne, sagt er. Die harte Arbeit am Stein lehre Demut, ist er überzeugt. FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Thomas Hundhausen ist Steinmetz, Bildhauer und Schriftseller. Seit 30 Jahren arbeitet er mit dem Material. Von Bernd Geisler

Noch ruht der Stein. Thomas Hundhausen nimmt Meißel und Hammer und schlägt ein Stück davon ab. Es knallt. "Stein ist ein harter Lehrer", sagt der Künstler. Er zeige sein Inneres nicht sofort, sondern liefere zunächst nur zwei neue Oberflächen. Sie werden sichtbar am abgeschlagenen Stück und am Stein - dort, wo das Stück einst war. "Aber Stein ist auch ein guter Lehrer". Der 46-Jährige fährt mit den Fingern über die Oberflächen. Richtig mit dem Stein zu arbeiten - und zwar so, dass "er sich hinter der Oberfläche öffnet" - gelinge nur, wenn er, der Künstler, sich dessen bewusst sei. Er müsse dem Stein mit Achtung begegnen.

Hundhausen nennt es: "In seiner eigenen Mitte ruhen". Dann habe er das Gefühl, dass der Stein "mitarbeite" und etwas Lebendiges entstehe. Dann schwingen Stein und Mensch ähnlich. Der Künstler verdeutlicht es: "Wenn ich einen Bär in Stein arbeiten will, dann muss ich ganz Bär sein." Trotzdem: Die Arbeit mit dem Stein koste "Schweiß, Blut und Tränen". Sie lehre Demut.

Wenn Hundhausen letztendlich diese Lebendigkeit des Steines spürt, kann das der Betrachter seiner Skulpturen ebenso empfinden? Hundhausen nickt. "Man muss sich darauf einlassen", sagt er und zeigt auf die steinerne Gestalt "Der Schäfer" im Vorgarten des Steinmetz-Betriebes. An den Händen einer Skulptur werde oft diese steinerne "Lebendigkeit" sichtbar. So sagen viele Betrachter des Schäfers, dass der Eindruck entstehe, gleich hebe er den Zeigefinger.

Eine andere Figur, "Die Göttin", reckt sich in einer einzigen, fließenden Bewegung aus Stein empor gen Himmel. Im Hintergrund steht naturalistisch aus Gips geformt "Olga" - von ihr habe er viel gelernt, sagt der Steinmetz.

Ein Leben ohne Stein kann sich Thomas Hundhausen nicht mehr vorstellen. Vor 30 Jahren am 1. August 1985 begann er seine Ausbildung zum Steinmetz- und Steinbildhauer. 1988 folgte die Gesellenprüfung, 1992 die Meisterprüfung. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn in viele Betriebe, fünf Jahre werkelte er als freier Künstler am Rande der Pfalz. Seit 2002 führt er in der vierten Generation zusammen mit seiner Schwester Annette Hundhausen - "Sie hält mir den Rücken frei" - den elterlichen Betrieb "Hundhausen Grabmale und Steinbildhauerei" im Schneppendahler Weg in Remscheid.

Was ist stärker in ihm vertreten, der Künstler oder der Handwerker? Das könne er nicht trennen, sagt er. Natürlich beachte er die Wünsche der Kunden bei der Gestaltung eines Grabsteines. Er richte sich stets nach den Gefühlen der Angehörigen, weil: "Den Tod der anderen lebt man selbst ein Leben lang." Die Aussage des Steines sei wichtig, ob mit deutlichem Ziel auf dem Friedhof oder frei formuliert in einer Ausstellung. Seinen künstlerischen Ausdruck findet Thomas zudem in der Schriftstellerei. Und liefert so wie Stein viele Oberflächen, durch die ein Betrachter blicken kann.

Kontakt: hundhausen-grabmale.de.

Quelle: RP
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