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Remscheid
Wegweiser für Generationen von Musikern

Remscheid. Vor einem Jahr starb der Remscheider Komponist und Musikschullehrer Wolfgang Heitmann. Ausstellung geplant. Von Gisela Schmoeckel

Mehr als 30 Jahre lang, bis 2006, war der Weg zu Wolfgang Heitmann, dem stellvertretenden Leiter der Musik- und Kunstschule Remscheid in der alten Bökervilla, ganz einfach: Erste Tür rechts, gleich hinter den Eingangsstufen war er zu finden, am Klavier probierend, am Computer und Synthesizer experimentierend, am Schreibtisch zeichnend. Viele ehemalige Musikschülerinnen und -schüler können sich das Kennenlernen der weiten Musiklandschaft von ihren Anfängen früher Tonarten bis zum spannungsvollen, abenteuerlichen "Crossover" der Postmoderne nicht ohne ihn vorstellen.

1973 hatte Karl Lorenz den damals schon bekannten Jazzmusiker, Komponisten und Lehrer für Schlagzeug, Initiator des ersten Leverkusener Jazzfestivals, berufen als Lehrer für Klavier, Schlagzeug, Theorie, Gehörbildung, Ensemble, Bigband, Jazz und Rock. 1979 wurde er stellvertretender Leiter der Schule und bildete zusammen mit Musikschulleiter Thomas Holland-Moritz und Kunstschulleiter Charles Wesseler ein weit in die Region leuchtendes "Dreigestirn". . Heitmann gründete die Remscheider Jazzfestivals, die von 1975 bis 1981 stattfanden. Er leitete mehrere Bands, wie die auf Initiative von Peter Fleischhauer ins Leben gerufene RSBB 84. In den 80er bis zu den späten 90er Jahren erlebten junge und alte Instrumentalisten aller Kategorien in den Jazz-Matineen der Lenneper Firma Hampel, Stifterin des Preises "Kleiner Jazzlöwe" mitreißende Konzerte in ihrer fantasievollen, auch risikofreudigen Synthese aus Klassik und Jazz.

Wenig hielt er von der Unterscheidung zwischen "E"- und "U"-Musik, viel mehr galt die Freude am guten Musizieren selbst. Er eroberte sich und seinen Schülern Räume der "Unschärfe", neuer Notationen, informeller Abläufe, Fragmentierungen, serielle Prozesse, Synthesen zwischen visuellen und akustischen Konstruktionen. In Erinnerung ist sein Medley "Let the sunshine" für Streichorchester, Jazz-Ensemble, Querflöten und Chor zum 40jährigen Bestehen, der Musikschule. Ein Höhepunkt war Heitmanns anspruchsvolle Komposition "Perspektiven 95", die auf der Umsetzung von Röntgens biographischen Daten - Geburt, Entdeckung der X-Strahlen, Tod - in musikalischen Klangkombinationen basierte und im Röntgenjahr 1995 von Schülern und Lehrern der MKS uraufgeführt wurde. Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler trainierte er erfolgreich für die theoretische Aufnahmeprüfung der Musikhochschulen. "Wer die Ausbildung bei mir durchhält, besteht auch die Prüfung." konnte er mit berechtigtem Stolz sagen, und viele erinnern sich an seine freundliche, auch unerbittliche Strenge im Erlernen des Erkennens von Strukturen, das ihnen bis heute Sicherheit gibt. Große Anerkennung, Dankbarkeit und Sympathie sind aus den Gesprächen über Heitmann zu spüren.

Schwer machte es ihm und allen, die ihn kannten und schätzten, die unbarmherzige Alkoholkrankheit. Trotzdem war er bis kurz vor seinem Tod in einer für ihn typischen Weise unablässig kreativ, wie in seinem Nachlass zu entdecken ist. Dieser umfasst viele zeitgenössische Kompositionen und Jazzarrangements sowie auch eine Reihe von Beiträgen zur Musiktheorie. Wolfgang Heitmann starb am 23. März 2015 im Alter von 71 Jahren.

Quelle: RP
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