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Remscheid
Die Reise meines ersten Weihnachtsbaums

Die Reise des Weihnachtsbaums
Die Reise des Weihnachtsbaums FOTO: Hertgen, Nico
Remscheid. Bis der Christbaum im Wohnzimmer landet, hat er jahrelang Wurzeln geschlagen, Kilometer zurückgelegt und Nerven gekostet. Wir haben die Reise des Weihnachtsbaums in Bildern dokumentiert. Mein erster Weihnachtsbaum kommt aus Remscheid. Von Lisa Kreuzmann

Als Kind ist Weihnachten das Fest, an dem Mutti besonders lecker kocht, Vati den Baum schlagen geht und das Christkind genau weiß, was man dringend braucht. Wenn man das nicht mehr ist, muss man sich plötzlich fragen: Bin ich Nordmanntanne oder Blaufichte? Bin ich Lametta oder Strohstern? Bin ich rot-gold oder lila-silber? Mein erster eigener Weihnachtsbaum kommt aus Remscheid. Genauer: vom Forstgut Ehringhausen.

Zum Baumholen habe ich meinen Freund Benjamin mitgenommen. Der macht sich nicht nur gut im Nadelwald, sondern denkt auch an Dinge wie Handschuhe dabei zu haben, wenn man einen Weihnachtsbaum kaufen geht. Ich denke daran, dass unser Kölner Wohnzimmer nur sehr wenig Raum für den Bergischen Tannenwald lässt, und so ergänzen wir uns ganz gut. Wolf Hasenclever ergänzt das Ganze mit Expertise: Die Nordmanntanne sei sehr beliebt wegen ihrer schönen geraden Spitze. Das finden wir auch schön. Piekst auch nicht so.

Weihnachtsbaum: Typologie der Tannenbaum-Käufer FOTO: shutterstock/ Pressmaster

Der Entschluss ist also schnell gefasst. Dieses Jahr sind wir Nordmanntanne. Unser Exemplar wurde sieben Jahre alt, ehe es den Remscheider Nährboden verliess– auf dem Weg, Kosmopolit zu werden. Jetzt geht's nach Kölle. Dabei war der Baum gerade erst in die Blüte seiner Jahre gekommen, wie Wolf Hasenclever erklärt. Die Setzlinge wachsen langsam und schießen erst im siebten Jahr in die Höhe. Dafür brauche der Nadelbaum 1 x 1,20 Meter Lebensraum. Den wird er sich bei uns künftig mit dem Wohnzimmertisch teilen müssen - ein echtes Stadtleben. "Nicht vergessen zu gießen", wird mir Wolf Hasenclever deshalb später noch ein weiteres Mal zurufen. Der Mann hat Erfahrung; er weiß, mit wem er es zutun hat: Anfängern.

Der studiere Forstwirt bewirtschaftet das Forstgut Ehringhausen bereits in der dritten Generation. 90 Prozent aller Weihnachtsbäume stammen aus solchen extra angelegten Plantagen, wie sie die Hasenclevers betreiben. Dabei stammt unsere Remscheider Nordmanntanne eigentlich aus dem Kaukasus. Damit haben wir also nicht wirklich etwas für unseren ökologischen Fußabdruck getan. Dann hätte es schon eher die heimische Fichte, Weißtanne oder Kiefer sein müssen, die gemäß Naturrecht ohnehin hätten geschlagen werden müssen. Aber man kann ja auch nicht alles bedenken. Und "Regional" ist ja ohnehin das neue "Bio".

2009 bis 2015: Der hässlichste Weihnachtsbaum in NRW FOTO: Malz, Ekkehart

Gut eingepackt muss unsere Tanne noch 40 Kilometer in die Domstadt rollen und dort in den fünften Stock getragen werden. Hier kommt unser Baum dann schlagfrisch in den Ständer, ein Modell der 70er Jahre, das etwas mehr Fingerfertigkeit und Geduld abverlangt. Ganz gerade steht unsere geruchslose Nordmanntanne mit ihrer natürlichen Geradlinigkeit deshalb auch nach mehrmaligen Drehen und Wenden nicht. In den Teppich haben sich inzwischen viele grüne Nadeln gebohrt und die Treppen in den fünften Stock tun ihr Übriges. Doch was soll man sagen: Steht der Genosse erst einmal frisch geschmückt im Wohnzimmer, hat sich die weite Reise des Weihnachtsbaums aus dem Kaukasus über das Bergische Land in die Rheinmetropole durchaus gelohnt. Und gegossen habe ich ihn natürlich auch. Fröhliche Weihnachten, also!

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