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Remscheid
Welthits des Jazz in Wohnzimmeratmosphäre

Remscheid. Dem Duo Meredith Fox (Gesang) und Kai Heumann (Gitarre) gelang ein ungewöhnliches Experiment. Von Bernd Geisler

Stimme und Gitarre - mehr brauchten Meredith Fox und Kai Heumann nicht, um bekannte Jazzstandards zu interpretieren. Wer solche altehrwürdigen Songs kennt wie "All of Me", "Summertime" oder "Tea for Two", der hörte hier Ungewohntes. In der Regel haben diese Standards über die Jahrzehnte hinweg vermutlich Tausende von Bands schon gespielt - in voller Besetzung mit allem Drum und Dran einer Big Band sowie als jazziges Trio oder Quartett. Dafür sind die Standards ideal: Die Ohrwürmer bieten viel Raum für Solisten, ihre Fähigkeiten zur Improvisation unter Beweis zu stellen. Und das auf dem breiten Teppich satter Klangfülle. Und jetzt wagten sich Sängerin und Gitarrist im kleinen, aber smarten Gitarrenzentrum Lenneps an diese "großen" Songs. In einer Wohnzimmeratmosphäre, die eher geprägt ist von Beschaulichkeit als Respekt einflößender Größe.

Fox und Heumann brauchten keine Verstärkeranlage. Noch nicht einmal ein Hallgerät sorgte für musikalische Fülle. Die beiden präsentierten sich und ihre Musik hautnah, auf Du und Du mit der ersten Besucherreihe. Und auch musikalisch fehlten schützende Barrieren - Gesang und Klang durchweg handgemacht und transparent. Das setzt Selbstvertrauen voraus. Aber Fox und Heumann können es, jeder auf seine Weise. Die Amerikanerin aus North Carolina wirkte durch und durch authentisch. Geboren in einer Musikerfamilie hat Meredith Fox diese Lieder praktisch mit der Muttermilch aufgesogen. Sie setzte die Höhepunkte gemäß ihrem jazzigen Feeling genau an der für sie passenden Stelle: "Summertime" mit tiefem Gefühl, gleichwohl zu keinem Zeitpunkt kitschig, "Fly Me to the Moon" und "Sandman" dagegen locker-flockig, mit Temperament und Schwung. Dass Kai Heumanns Liebe der Latino-Musik gehört, ist allgemein bekannt. Schön, dass seine Gefühle dafür auch hier und da durchblitzten. Aber er ist natürlich auch im Swing zuhause und brachte ihn ungezwungen mit Esprit.

Allen Liedern setzte er seinen gitarristischen Stempel auf. Als einziger Instrumentalist konnte er sich niemals ausruhen. Die Akkorde mussten ineinander übergleiten, entweder über eine "Walking" Basslinie oder kleine, improvisierte Sequenzen. Seine Soli wurden aufgrund der stets durchscheinenden Harmonien vom Stück getragen; trotzdem glitten seine Finger auch mal in einzelnen Tönen über die Saiten. Und das stets füllig und griffig, die Zuhörer verloren niemals den roten Faden. Das Zusammenspiel zwischen beiden Musikern war kolossal. Die rund 20 Besucher waren erst nach zwei stürmisch verlangten Zugaben zufrieden.

Quelle: RP
 
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