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Remscheid
Weniger Besucher - VHS wirbt im Netz

Remscheid. Ein Personalengpass und fehlende Räume führten zu dem Rückgang der Besucherzahl. Nun will die Volkshochschule mit einer neuen Internetseite und einem eigenen Facebook-Auftritt mehr Interessierte locken. Von Christian Peiseler

Nach Jahren des Anstiegs hat die Volkshochschule (VHS) erstmals zehn Prozent weniger Besucher zu verzeichnen. Das ist das Ergebnis für das Jahr 2016. Zwei Faktoren führen zu diesem Rückgang. Zum einen bot das Programm "nur" 200 Kurse an, im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Nutzer unter 236 Angeboten auswählen konnten. Der Kursrückgang ist laut Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommulanen Bildungszentrums, zu dem die VHS gehört, dem Ausscheiden von Bereichsleiter Christos Litsakis geschuldet. Seine Zuständigkeit lag unter anderem in der Organisation von berufsbegleitenden Kursen. "Wir wollten seinem Nachfolder die Gelegenheit geben, seine eigenen Programme zu entwickeln", sagt Grüdl-Jakobs. Jürgen Beckstette nahm seine Tätigkeit aber erst im November auf. Die Stelle war mehrere Monate vakant. Im kommenden Semester soll der Bereich der beruflichen Fortbildung mit neuen Kursen wieder mehr Teilnehmer gewinnen.

Der drastische Rückgang um 25 Prozent an Kursteilnehmern im Entspannungsbereich liegt nicht an einem Personalengpass, sondern am Wegfall des Yoga-Raumes im Erdgeschoss des Ämterhauses. Dort arbeiten jetzt die neu eingestellten Mitarbeiter des Ausländeramtes. Grüdl-Jakobs zufolge habe sie trotz intensiver Bemühungen keinen Ersatzraum finden können. Die Räume in der ehemaligen Galerie an der Scharffstraße seien ungeeignet gewesen, und der Gymnastikraum der Sophie-Scholl-Schule zu wenig geheizt, um dort Entspannungstechniken zu üben. 100 Kursteilnehmer gingen so von der Fahne. "Das wird schwierig, diesen Bereich wieder aufzubauen", sagt Grüdl-Jakobs.

Die Volkshochschule finanziert sich aus drei Quellen: den Entgelten der Selbstzahler (220.000 Euro), den Zuschüssen von Bund (100.000 Euro) und Land (382.000 Euro) und der kommunalen Förderung, die ohne Mieten bei etwa 229.000 Euro liegt, mit der Einbeziehung von Mietkosten bei 600.000 Euro.

Vor allem die Kurse für Integration lassen die Zahlen bei der VHS in diesem Bereich steigen. 300 Asylbewerber haben sich gemeldet. Der Bund übernimmt die Kosten. "Wir müssen aber darauf achten, dass das Geleichgewicht bei der Förderung nicht gestört wird, und wir die Stammkundschaft nicht verlieren", sagt Grüdl-Jakobs. Stammkundschaft bedeutet: Die meisten Kursteilnehmer sind zwischen 45- und 55 Jahren alt. Davon sind drei Viertel Frauen.

Die VHS arbeitet an einer neuen Internetseite. Zurzeit gibt es eine benutzerfreundlichere Version als die alte im Netz. Aber zum neuen Semester 2017 will sich das Bildungsinstitut moderner präsentieren. Ein Auftritt auf Facebook soll folgen.

Ungebrochen ist die Lust an Sprachen. Englisch liegt auf Platz eins, sowohl bei Schülern als auch bei der älteren Generation, die die Kenntnisse auffrischen will. Die vielen Angebote zum Erlernen einer Sprache im Internet wie zum Beispiel "babel" sieht Grüdl-Jakobs nicht als eine große Konkurrenz. "Die Sprache lernt man am besten im Unterricht oder im Land selbst", sagt sie. Die Angebote im Internet seien eine gute Ergänzung.

Um die Zielgruppe der 30-Jährigen mehr für die VHS zu interessieren, bietet die VHS im nächsten Semester auch sogenannte Webinare an. Zum Beispiel Xpert Business - eine kaufmannische Weiterbildung mit anerkannten Abschlüssen. Die Teilnehmer lernen zu Hause. Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, sollen die Honorare für Dozenten von 18 Euro auf 21 Euro angehoben werden. Die Qualität der Lehre sei entscheidend für den Ruf der VHS, sagt Grüdl-Jacobs. In zwei Jahren feiert die Volkshochschule ihr hundertjähriges Bestehen.

Quelle: RP
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