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Remscheid
Weniger Bürokratie in Psychiatrie gefordert

Remscheid. Staatssekretärin besuchte Stiftung Tannenhof. Fachärztemangel und lange Wartezeiten zur stationären Aufnahme. Stiftung plant Neubau für 20 Millionen Euro. Von Anna Mazzalupi

Das Arbeiten im psychiatrischen Bereich muss attraktiver gemacht werden - vor allem für Ärzte. Darüber waren sich der Vorstand der Stiftung Tannenhof und der Besuch einer Vertreterin der Landesregierung gestern einig.

Die Parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach informierte sich auf dem Gelände der Klinik über die Abläufe, Arbeiten und Behandlungsmöglichkeiten in der Psychiatrie. Hintergrund sind die Planungen zur neuen Regelung der Finanzierung der Krankenhausleistungen, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen. "Es macht Sinn, vorher mit Fachleuten vor Ort zu reden, bevor ein neues Gesetz auf den Weg gebracht wird", erklärte Fischbach im Rahmen eines Pressegesprächs.

Der Wunsch des Vorstandes um den Kaufmännischen Direktor der Stiftung, Dietmar Volk, ist eindeutig: weniger Bürokratie. "Ein Arzt möchte am Patienten tätig sein und nicht fast 80 Prozent seiner Tätigkeit damit verbringen, zu belegen, was er gemacht hat", sagte Volk. Gerade im psychiatrischen Bereich sei die Betreuung und Bindung zwischen Arzt und Patient für den Therapieerfolg wichtig.

Deshalb soll es eine neue Form der Vergütung geben, versprach Fischbach. Wie genau diese dann aussieht, sei allerdings noch nicht ganz klar. Vorschläge von Trägern und Fachverbänden sollen zum Ergebnis beitragen. Die Entbürokratisierung sei zwar kein einfaches, aber auch kein unlösbares Unterfangen, erklärte die Staatssekretärin. Als Beispiel nannte sie den Erfolg in der Altenpflege, in der nicht mehr alles aufs kleinste Detail dokumentiert werden muss.

Ziel sei es zudem, den Job in der Psychiatrie angehenden Ärzten früher näher zu bringen, etwa durch Praktika. Auch den Ansprüchen der Mediziner an Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll künftig Rechnung getragen werden, um mehr für diese Fachrichtung gewinnen zu können. Denn in der Sparte mangelt es an Fachärzten.

Die Stiftung selbst leide zwar nicht unter Personallücken, muss aber bundesweit um die hart umworbene Mangelware Psychiater kämpfen. Folge dessen sind auch die langen Wartezeiten auf eine stationäre Behandlung. "Wir sind zu 100 Prozent ausgelastet", merkte Volk an.

Die moderne Psychiatrie brauche außerdem mehr Platz. Den soll das neue Projekt der Stiftung bringen, dessen Vorstellung gegen Ende des Jahres vorgesehen ist. Das geräumte Ludwig-Steil-Haus soll einem Neubau weichen. Die Planungen laufen. Kostenpunkt: 20 Millionen Euro. Wie der Bau finanziert wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch offen.

Quelle: RP
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