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Remscheid
Weniger Türken wollen deutschen Pass

Remscheid: Weniger Türken wollen deutschen Pass
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Remscheid. Die Zahl der Einbürgerungen ist weiter rückläufig. Neben einem obligatorischen Test gibt es strenge Auflagen. Von Christian Peiseler

Was ist die richtige Antwort? Eine Frau in Deutschland verliert ihre Arbeit. Was darf nicht der Grund für ihre Entlassung sein? a) Die Frau ist lange krank und arbeitsunfähig; b) Die Frau kam oft zu spät zur Arbeit; c) Die Frau erledigt private Sachen während der Arbeitszeit. d) Die Frau war schwanger und ihr Chef weiß das.

Mit 300 solcher Fragen haben sich im vorigen Jahr 166 Menschen in Remscheid intensiv beschäftigt. Beim Einbürgerungstest mussten sie von 33 Fragen 17 richtig beantworten. Der Einbürgerungstest zählt zu den notwendigen Voraussetzungen, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erreichen.

Mit 166 ist die Zahl der Neubürger auch im vorigen Jahr weiter zurückgegangen. Ein Trend, der sich seit 2012 - damals waren es noch 289 Einbürgerungen - fortsetzt. Markus Wewer, Sachbearbeiter bei der Einbürgerungsbehörde, sieht den Grund für den Rückgang im abnehmenden Interesse türkischer Einwohner, einen deutschen Pass zu bekommen. "Früher hat in der Großfamilie einer für alle entschieden", sagt Wewer. Heute entscheide jeder für sich selbst. Lag der Anteil der Türken im Jahr 2012 noch bei 60 Prozent, so waren er im vorigen Jahr 27 Prozent. Aus 37 Nationen stammen die Remscheider mit neuer Staatsbürgerschaft. Die zweitstärkste Gruppe nach den Türken bilden die Italiener (14), gefolgt von Menschen, die aus dem Kongo stammen (8) sowie aus Polen (8) und Russland (7). Sie alle haben die im Gesetz vorgeschrieben Voraussetzungen erfüllt. Sie verfügen über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland und leben seit mindestens acht Jahren gewöhnlich und rechtmäßig in Deutschland. Sie sichern für sich und ihre Familienangehörige ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld den Lebensunterhalt. Sie verfügen über ausreichende Deutschkenntnisse und bekennen sich zum Grundgesetz, Sie haben einen Einbürgerungstest bestanden und sind nicht wegen einer Straftat verurteilt.

"Nicht die Einbürgerung ist kompliziert, sondern die Ausbürgerung ist schwierig", sagt Wewer. Wer eine neue Staatsbürgerschaft annimmt, muss in seinem alten Staat Bescheid sagen, dass er nicht mehr dazugehören will. Das ist von Land zu Land ein unterschiedlich langwieriger Vorgang. Und er kostet Geld. Der bosnische Staat verlangt zum Beispiel 1300 Euro für die Ausstellung der nötigen Papiere. Aus Sicht von Wewer sind es häufig pragmatische Gründe, die zur neuen Staatsbürgerschaft führen. Und wenn es nur der Wegfall für die Beantragung eines Visums sei. Die Präferenzen richten sich häufig nach der politischen Lage. Nach dem Brexit haben sich mehr Briten als gewöhnlich bei der Behörde gemeldet. Die Entwicklung ist unsicher. Ein deutscher Pass könnte hilfreich sein. Übrigens: Die richtige Antwort auf die Testfrage lautet: Die Frau war schwanger und ihr Chef weiß das.

Quelle: RP
 
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