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Serie Die Gesundmacher (7)
Wenn der Körper das Steuer verloren hat

Serie Die Gesundmacher (7): Wenn der Körper das Steuer verloren hat
Dr. Thomas Sonnenberg an seinem Arbeitsplatz. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Chefarzt Dr. Thomas Sonnenberg vom Sana-Klinikum hilft Menschen mit extremem Übergewicht wieder zu einem normalen Leben. Von Stefanie Bona

Wer ein paar Kilo zu viel auf den Rippen mit sich herumschleppt, gehört in der Regel nicht zu den Patienten, die sich in der Klinik für Adipositas und Metabolische Chirurgie des Remscheider Sana-Klinikums vorstellen. "Was wir hier sehen, ist die Spitze des Eisbergs. Zu uns kommen Menschen, die unter einer krankhaften Adipositas leiden und ein extremes Übergewicht aufweisen. Sie haben über viele Jahre versucht, ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren. Das ist ihnen nicht gelungen", erklärt Chefarzt Dr. Thomas Sonnenberg. Was der Facharzt indes nicht hören möchte, sind Schuldzuweisungen. "Das, was wir auch Alkoholikern zubilligen, nämlich dass sie an einer Krankheit leiden, müssen wir auch Adipositas-Patienten zugestehen. Wir kennen die exakte Ursache nicht, aber trotzdem sind sie krank", betont der Chirurg.

Das Sättigungsgefühl ist verloren gegangen, dies erhalten die Menschen nach einer umfangreichen und längerfristigen Behandlung und Nachbetreuung zurück. "Sie bekommen das Steuer für ihren Körper wieder selbst in die Hand", fasst Thomas Sonnenberg die vielen einzelnen, kleinen und größeren Schritte zusammen. Denn alleine mit einer Operation ist das Problem nicht gelöst. "Der operative Eingriff ist wichtig, aber nur ein Baustein." Wenn sich die Betroffenen bei Dr. Sonnenberg und seinem Team vorstellen, bekommen sie zunächst einmal einen langen Fragenkatalog, dessen Beantwortung den Experten aufschlussreiche Hinweise zu Vorerkrankungen, Erkrankungen, die mit dem hohen Körpergewicht in Verbindung stehen, zur Biografie des Patienten, zu seinen Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten gibt. Sodann folgt ein ausführliches Gespräch mit den Ärzten und eine gründliche körperliche Untersuchung.

Menschen mit Adipositas leiden unter einer Krankheit und müssen häufig den Spott der Gesellschaft aushalten. FOTO: Archiv

In der zum Remscheider Sana-Klinikum gehörenden Dünkelohklinik an der Alleestraße ist das Adipositaszentrum angesiedelt. Dort stehen Ernährungsberater, Psychologen, Diabetologen und weitere Therapeuten bereit, um erste Therapieschritte mit den Übergewichtigen zu gehen. Damit soll eine Änderung des Ess- und Bewegungsverhaltens eingeleitet werden. Doch wenn sich hohes Übergewicht einmal so manifestiert hat, geht es meistens nicht ohne Operation, weiß der Chefarzt. Anhand der protokollierten bisherigen Behandlung wird ein Gutachten und ein Antrag an die zuständige Krankenkasse gestellt. Sind alle Kriterien erfüllt, willigen die Kassen in der Regel in die Kostenübernahme ein. Die operativen Eingriffe erfolgen ausschließlich minimal invasiv, also mit der so genannten Schlüssellochchirurgie. Als Verfahren sind ein Magenbypass oder ein Magenschlauch heute die gängigsten. "Damit hat man nicht mehr so viel Hunger, das Sättigungsgefühl kehrt wieder und das Essverhalten kann wieder gesteuert werden", erläutert der Chirurg. Ein weiterer Effekt sei, dass im Nachgang der OP nicht mehr süße und fettreiche Nahrung, sondern gesunde Ernährung bevorzugt werde. Drei Tage später sind die Patienten fit und können in ein neues Leben starten. Und dieses Gefühl stelle sich tatsächlich ein, wie der Mediziner immer wieder von den Menschen erfährt.

Innerhalb eines Jahres würden zwischen 65 und 75 Prozent des Übergewichts abgebaut. "Sie haben wieder Freude am Sport. Sie werden nicht mehr gemobbt und müssen sich in der Eisdiele nicht mehr schiefe Blicke gefallen lassen", berichtet Sonnenberg von den Erfahrungen der Betroffenen. "Sie haben mir ein neues Leben geschenkt" - diesen Satz hört er von seinen Patienten immer wieder.

Quelle: RP
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