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Remscheid
Wenn die Helikopter-Eltern kreisen

Remscheid. Horst Schroth, alias Lehrer Laux, begeisterte mit seinem Programm "Null Fehler" das Publikum in der Klosterkirche. Von Wolfgang Weitzdörfer

Die Klosterkirche platzt praktisch aus allen Nähten: Der Kabarettist Horst Schroth, alias Lehrer Olaf Laux, hat am Freitagabend zur Schulstunde geladen - und "ganz Lennep" ist gekommen, um sich gepflegt unterrichten zu lassen. Und Lehrer Laux ist ein alter Hase, der schon seit 1994 die Bühnen der Republik mit seinem mittlerweile zum Kult gewordenen Programm "Null Fehler" beackert. Immer wieder zieht er Bilanz, immer wieder blickt er auf seine 68er-Ideale zurück und was daraus geworden ist, und immer wieder entlockt er seinem Publikum lautes Gelächter, auch wenn das bei näherem Überlegen im Hals steckenzubleiben droht.

Es muss für einen Lehrer von echtem Schrot und Korn ein Grauen sein, mit den Helikoptereltern von heute konfrontiert zu werden, in ihren SUVs und der in Stein gemeißelten Überzeugung, dass das eigene Handeln und der eigene Nachwuchs von blütenreiner Fehlerfreiheit sind. Dass dem so ist, wird im furiosen Finale am Freitagabend deutlich, als Laux atemlos schildert, wie er von einer wildgewordenen Meute jener Hubschraubereltern beinahe auf dem Altar der Bildungsferne geopfert wird, nur um in letzter Sekunde von der Rektorin und ihrem Sinn für Schulsponsoring gerettet zu werden.

Überhaupt kann einer wie Laux mit dem heutigen Schulbetrieb nicht so wirklich viel anfangen. Da streift die Kunstfigur Laux auch mal die Realität: "Da könnte ich mich aufregen! Frau Löhrmann, eure Bildungsministerin hier in NRW, möchte einen flexiblen Übergang zwischen G 8 und G 9. Soll denn dann jeder Schüler etwa selbst sein Abiturzeugnis schreiben, oder was?", ruft der Hamburger erregt ins Auditorium. Und stellt gleich die Gretchenfrage an die - übrigens durchaus zahlreich - anwesenden Lehrer: "Was sagen die Kollegen dazu? Ist das furchtbar?" Die Antwort fällt deutlich aus: "Ja! Ja! Ja!", schallt es aus vielen Lehrermündern in Richtung Bühne. Da fällt Schroth auch nicht viel mehr ein als: "Ihr tut mir wirklich leid, hier in NRW!"

Da war es für die Lehrerseele Balsam, sich von der Seele schreiben zu können, wie man sich denn den perfekten Lehrer vorstelle. Das wurde in der Pause in einer Urne gesammelt und dann vorgelesen: "Mein Name ist Angelika. Eine gute Lehrerin sollte genauso sein wie ich", stand dort etwa geschrieben. Aber auch ein solcher Spruch: "Ein Lehrer sollte die Schüler solange unterhalten, bis das Fachpersonal kommt."

Der Witz macht ja die Realität erträglich. Es scheint, diese Weisheit gilt in ganz besonderem Maße für unsere heutigen Pädagogen in der heutigen Bildungslandschaft.

Quelle: RP
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