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Remscheid
Wie aus dem Roma-Kind eine Anwältin wurde

Remscheid. Nizaqete Bislimi (36) kam als 14-jährige Asylbewerberin nach Deutschland. In Lüttringhausen las sie aus ihrem Buch. Von Cristina Segovia-Buendía

Nizaqete Bislimi ist eine 36-jährige Rechtsanwältin für Ausländer- und Asylrecht in einer Essener Kanzlei. Im Alter von 14 Jahren kam sie als Flüchtling aus dem Kosovo nach Deutschland. Ihr gesellschaftlicher Aufstieg war für das Roma-Mädchen alles andere als leicht - "ich musste oft durch die Wand. Doch zum Glück gab es hier immer Menschen, die uns geholfen haben."

Einblicke in diese schwere Zeit, gab Nizaqete Bislimi im Lüttringhauser Ratssaal bei einer packenden Lesung aus ihrem 2015 erschienenen Buch "Durch die Wand - von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin." Dazu eingeladen hatte die Ökumenische Initiative Lüttringhausen im Rahmen der internationalen Woche gegen Rassismus. Rund 50 Besucher, mehr als von den Veranstaltern erwartet, kamen.

Bislimis Buch ist keine simple Autobiografie und auch kein Motivationsbuch wie sie sagt: "Damit möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, dass, wer hart genug kämpft, auch seinen Traum erreicht." Als Rechtsanwältin gibt sie nämlich zu: "Mit der aktuellen Rechtslage haben es Asylbewerber heute wesentlich schwieriger." Und das sagt sie, obwohl Bislimi selbst ganze 16 Jahre lang auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten musste.

Aus ihrem Buch las sie von ihrer ersten Begegnung in einem Flüchtlingsheim, einer Baracke mit Gemeinschaftsduschen, Kakerlaken und Schimmel. Im Kosovo hatte sie mit ihrer Großfamilie, den Großeltern, Eltern und den vier Geschwistern, auf einem großen Gehöft gelebt. "Mein Vater war diplomierter Agrartechniker, und ich hatte eine schöne Kindheit." Bis es in den 90ern politisch unruhig im Land wurde und sie als Zugehörige der ethnischen Minderheit der Roma, kurz vor Ausbruch des Kosovo-Krieges verfolgt wurden und zunächst mit der Mutter und den Geschwistern fliehen musste. "Niemand verlässt so einfach seine Heimat und schon gar nicht ohne den Vater", sagte Bislimi.

In Deutschland, kämpfte sie sich ohne gültige Aufenthaltserlaubnis, lediglich mit einer Duldung durch das Abitur und begann ein Jura-Studium. Selbst ihr Referendariat machte sie mit dem geduldeten Status. "Das war schon skurril, weil ich als Referendarin andere Asylbewerber beriet, ich versuchte sie zu beruhigen und ihnen Mut zu machen, obwohl ich mich selbst in einer ähnlichen Situation befand." Mit viel Ehrgeiz und nicht zuletzt auch dank vieler ehrenamtlicher Helfer aus der Nachbarschaft ging sie ihren Weg. Für ihre Familie war es wichtig, Hilfe außerhalb der bürokratischen Maschinerie, zu erfahren, denn nur so fanden sie den nötigen Halt und die Unterstützung, um sich in der Gesellschaft zu integrieren. Im Asylbewerberheim wären sie abgeschottet gewesen. Etwas, dass die ehrenamtlichen Helfer an diesem Abend sichtlich ermutigte mit der Flüchtlingsarbeit in Remscheid weiter zu machen.

Inzwischen ist Bislimi eine starke, selbstbewusste Frau: "Heute weiß ich, dass es keine Schwäche ist, Hilfe zu suchen, wenn man sie braucht."

Quelle: RP
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