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Remscheid
Wie der Humor Licht auch in dunkle Zeiten bringt

Remscheid. Das Programm "von Heike Feist Schöner Scheitern mit Ringelnatz" zog die Besucher der Klosterkirche in seinen Bann. Von Bernd Geisler

Scheitern - das ist versagen, abstürzen, straucheln, sagt die Schauspielerin und Kabarettistin Heike Feist zu Beginn des Programms "Schöner Scheitern mit Ringelnatz". Sie hat es zusammen mit dem Schauspieler Stefan Plepp auf die Beine gestellt. Scheitern nennt sie das Ende eines vergeblichen Unterfangens. Das Gegenteil sei das Glück, ein Wagnis zum Erfolg zu führen oder zumindest darin Fortschritte zu machen.

Und schon schlendert Plepp auf die Bühne der Klosterkirche und - oh Schreck! - er rutscht zur Bestürzung aller auf einer Bananenschale aus. Und zwar so gekonnt, dass es tatsächlich wie ein echter Ausrutscher aussieht. Aber Plepp hat sich noch nicht einmal einen blauen Flecken geholt - er ist "schön gescheitert".

Wohl dem, der beim Scheitern die bewundernswerte Gabe hat, sich mit (schwarzem) Humor wieder auf die Beine zu stellen und das nächste Abenteuer zu wagen. So war's bei Hans Bötticher (geboren 1883 im sächsischen Wurzen), dem späteren Kabarettisten, Dichter und Schriftsteller Joachim Ringelnatz. Heike Feist (Text) und Stefan Plepp (Musik) brachten anhand seiner umwerfenden Gedichte und eines minimalistischen Repertoires von Papierschnitzeln die Biografie des Ringelnatz anschaulich über die Bühne. Ringelnatz ließ sich nicht entmutigen. Ohne Rücksicht auf Verluste ging er seinen Weg, der ihn nach vielen Fehlschlägen und stets an der Grenze beispielloser Armut endlich zum Erfolg führte. Was ist von einem Dichter zu halten, der in einem seiner "Kindergebetchen" betet: "Lieber Gott, ..., Verzeih mir, dass ich gähne. Beschütze mich in aller Not, Mach meine Eltern noch nicht tot, Und schenk der Oma Zähne."? Ringelnatz besitzt Tiefsinn für Skurriles, verbunden mit der Fähigkeit, auch die düsteren Zeiten des Lebens mit lockerer, keinesfalls verharmlosender Zunge heller aussehen zu lassen.

Ihm zur Seite stand ungeachtet seiner Fehlschläge wie ein Fels in der Brandung seine Ehefrau Leonharda, die er mit dem perlenverwandten Kosenamen "Muschelkalk" bedachte.

Feist und Pepp brauchten nicht mehr als aus Papier gefertigte Symbole wie Lederhose, Hut und Schürze, um die Stationen von Joachim und Leonharda effektiv zu skizzieren. Die Besucher reagierten beeindruckt. Dabei zog Heike Fest mit ihren Improvisationen die Besucher mit in ihrem Bann. Sie holte zwei Leute auf die Bühne und ließ sie "Ananasbowle" trinken oder ging durch die Zuschauerreihen und bat nachdrücklich um eine Spende.

Am Ende wurde es sogar sehr nachdenklich. Ringelnatz' wunderbares Liebesgedicht an seine Frau hinterließ bleibenden Eindruck: "Wenn ich tot bin darfst du gar nicht trauern. Meine Liebe wird mich überdauern. ... Lebe, lache gut! Mache deine Sache gut!"

Quelle: RP
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