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Remscheid
Wie jeder seine Macke unterm Weihnachtsbaum pflegt

Remscheid. Actor's Studio NRW Remscheid zeigt am Samstag die Komödie "Schöne Bescherungen" im Rotationstheater. Oliver Scheemann hat es inszeniert. Von Bernd Geisler

Erst staunen, dann wundern, schließlich lächeln, dann grinsen. So kann es dem unbedarften Besucher des Theaterstücks "Schöne Bescherungen" von Alan Ayckbourn ergehen, wenn er sich gefangen nehmen lässt von der Inszenierung des Actor's Studio NRW Remscheid.

Bei der Generalprobe im Lenneper Rotationstheater jedenfalls wurde es klar: Nicht nur, dass diese bekannte "dramatische" Komödie gesegnet ist mit kühlem englischen Understatement-Humor und bitterbösen Sarkasmus. Es ist dem Theaterpädagogen und Regisseur Oliver Scheemann mit seinem 2006 gegründeten Ensemble zudem glänzend gelungen, der Handlung genau das Leben einzuhauchen, das wir uns ab und zu mal wünschen. So, wie es der römische Philosoph Seneca formulierte: "Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück: Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt". Es ging tatsächlich bunt zu bei dieser Generalprobe, frei nach dem Motto: "Bunt ist gut, aber schrill ist besser".

Was ist dafür geeigneter als das Fest der Liebe mit dem alljährlichen Tanz um den goldig geschmückten Weihnachtsbaum? Scheemann präsentiert auf der Bühne trefflich Ayckbourns Kosmos der Durchgeknallten - jede Figur lebt ihre eigene Macke aus. So ergibt sich die Handlung (fast) von alleine. Da ist Neville - er bastelt irgendwelches Zeug mit ungewissem Ausgang. Seine Schwester Phyllis säuft und gerät mit den Kochtöpfen aneinander. Ihr Mann Bernard, ein Arzt, spielt lieber mit Puppen, als sich um Menschen zu kümmern. Diesmal will er zum Schrecken aller um jeden Preis seine Geschichte von den "drei Schweinen mit ihren Verwandten, Bekannten und Nachbarn" aufführen. Der brotlose Eddie lungert im Haus herum, anstatt sich um seine Kinder und seine hochschwangere Frau Pattie zu kümmern. Die verklemmte Rachel hat den hölzernen Schriftsteller Clive eingeladen und offensichtlich ein schüchternes Auge auf ihn geworfen. Der ehemalige Wachmann Onkel Harvey und Actionfilm-Fan mit einem Wurfmesser an der Wade glaubt, mit Gebrüll stets die Lage im Griff zu behalten. Und Hausherrin Belinda, Nevilles Frau, will den Überblick im Chaos behalten und fällt der Liebe zum Schriftsteller anheim. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt ... Das Stück spielt in den 1970ern, als knallige Farben und zu lange Schlaghosen die Mode beherrschten. Und so stolpern die Figuren schritt für Schritt ins Chaos.

Wie es ausgeht, zeigen im Rotationstheater die Aufführungen am Samstag, 12. Dezember (Premiere), 20 Uhr, und am Sonntag, 13. Dezember, 18 Uhr.

Quelle: RP
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