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Stephan Keller
Wie Senioren besser gesehen werden

Stephan Keller: Wie Senioren besser gesehen werden
Reflektionsstreifen sind nicht nur an der Kleidung sinnvoll. Polizist Stephan Keller zeigt hier eine Jacke, einen speziellen Schirm mit Leuchtkante und eine Einkaufstasche mit Reflektorband der Remscheider Verkehrswart. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Verkehrs-Sicherheitsberater der Polizei spricht über die richtige Kleidungswahl in der dunklen Jahreszeit.

Herr Keller, sind Senioren im Verkehr besonders gefährdet?

Stephan Keller Man kann nicht direkt sagen, das ältere Menschen deutlich mehr an Unfällen beteiligt sind. Die Unfallzahlen bei älteren Menschen im Städtedreieck sind seit Jahren relativ konstant. Aber der Körper verändert sich im Alter. Die Reaktionsfähigkeit lässt nach, es dauert länger, bis man sich von Verletzungen erholt. Dafür verfügen ältere Menschen über mehr Erfahrungen als zum Beispiel Kinder, etwa was die Einschätzung von Geschwindigkeiten angeht.

Gibt es also keinen direkten Zusammenhang zwischen Alter und Unfallgefahr?

Keller Nicht direkt. Es kommt darauf an, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Ich kann nur jedem Senioren raten, sich bei dem Thema selber zu hinterfragen oder mit seinen Angehörigen darüber zu reden. Man sollte da ehrlich zu sich selber sein. Es gibt ärztliche Untersuchungen oder man kann mal eine Fahrstunde machen, um seine Fähigkeiten zu überprüfen. Dabei müssen die Senioren keine Konsequenzen befürchten.

Man muss als ältere Menschen also keine Angst davor haben, dass nach einer solchen Fahrstunde plötzlich der Führerschein weg ist?

Keller Auf gar keinen Fall. Der Fahrlehre gibt dann Tipps oder bietet vielleicht noch eine weitere Fahrstunde an. Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang die Familienangehörigen. Die wollen den Senioren nichts Schlechtes, sie machen sich einfach nur Sorgen. Wenn dagegen ein Außenstehender den Menschen sagt, sie sollen ihren Führerschein abgeben, ist das etwas anderes. Da würde sich jeder angegriffen fühlen. Ich auch.

Mobilität ist wichtig auch für ältere Menschen, weil sie am Leben weiter teilnehmen wollen. Welche Rolle spielt dabei der öffentliche Nahverkehr? Kann der ein Autoersatz sein?

Keller Das kann ich nur befürworten. Die Remscheider Stadtwerke bieten spezielle Schulungen dazu an, wie man in den Bus einsteigt oder sich an der Haltestelle richtig verhält. Das ist auch ein Rechenexempel, etwa wenn man rechnet, was ein Auto im Jahr im Vergleich zu einem Busticket kostet. Man sollte sich fragen: Wie oft fahre ich eigentlich noch mit meinem Auto. Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut, das ist eine Alternative. Oder die Senioren nehmen eine Taxe. Die Gefahr ist dann geringer, weil im Bus oder der Taxe Profis am Steuer sitzen. Auf die kann ich mich verlassen, und die werden regelmäßig von ihren Firmen untersucht.

In dieser Woche gibt es eine Veranstaltung mit ihrer Beteiligung mit dem Thema "Sehen und gesehen werden". Worauf sollten ältere Menschen achten?

Keller Reflektierende Kleidung ist in der dunklen Jahreszeit nicht nur für Kinder ein Thema. Alle, die zu Fuß unterwegs sind, wollen und sollen gesehen werden. Das erreicht man in der Dunkelheit nur durch Reflektionsartikel.

Gibt es da denn seniorengerechte Produkte?

Keller Aber sicher. Es gibt zu Beispiel diese Klackbänder, die man sich um den Arm macht. Es gibt Regenschirme, die Reflektionsstreifen haben. Ich habe mir kürzlich eine neue Jacke gekauft, da sind solche Elemente eingearbeitet. Es gibt Geschäfte, wo man sich solche Dinge aufbügeln lassen kann. Die Verkehrswacht Remscheid hat eine Einkaufstasche mit Reflektions-Streifen. Als ich heute Morgen über die Königstraße zum Dienst gefahren bin, ging auf der rechten Seite ein Handwerker, auf dessen Hose solche Streifen waren. Nur die habe ich im Dunkeln gesehen und das hat meine Aufmerksamkeit erregt. Die Bänder gibt es auch im Sportgeschäft, weil viele Jogger oder Hundebesitzer sie benutzen.

Welche Erfahrungen macht die Polizei in der Praxis?

Keller Wer schwarz gekleidet ist, den erkennen Sie erst auf zwanzig Meter Entfernung und nur, wenn er sich bewegt. Ich selber habe einen Unfall aufgenommen, bei dem ein Fußgänger mit dunkler Kleidung auf der Fahrbahn stehengeblieben ist. Ein Autofahrer hat ihn mit 50 km/h erfasst. Der Fußgänger ist am Unfallort verstorben. Der Fahrer war völlig fassungslos. Er sagte mir immer wieder: Ich habe den nicht gesehen.

Was können andere Verkehrsteilnehmer tun, damit sich Senioren im Verkehr sicherer fühlen?

Keller Als Radfahrer sollte ich meine Geschwindigkeit reduzieren, wenn ich einen Fußgänger sehe und bei einem Senior damit rechnen, dass er mein Klingeln nicht hört. Generell gilt auch für Autofahrer: Wir sollten wissen, dass ein Senior nicht so schnell reagieren kann wie ein jüngerer Mensch. Es geht um Rücksichtnahme. Das fordere ich als Verkehrssicherheitsberater ein. Wir sind alle gemeinsam unterwegs.

HENNING RÖSER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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