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Remscheid
Williams Liederzyklus hallt lange nach

Remscheid: Williams Liederzyklus hallt lange nach
Heiko Mathias Forster dirigierte die Symphoniker. FOTO: Archivfoto
Remscheid. Vor der Sommerpause haben die Bergischen Symphoniker am Mittwochabend vor rund 200 Zuschauern im Teo Otto Theater noch einmal für ein echtes musikalisches Highlight gesorgt. Von Wolfgang Weitzdörfer

Beim 10. Philharmonischen Konzert der Spielzeit präsentierte das Orchester nicht nur die bekannte Ouvertüre zu Ludwig van Beethovens Drama "Egmont" mit ihrem schweren, dramatischen Aufbau, sondern zeigte sich mit dem Liederzyklus "Songs Of Travel" des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872 - 1958) von seiner klanglich reduzierten Seite - was natürlich ganz eindeutig nicht die Qualität betraf.

Vielmehr wirkten die neun Lieder von Williams filigran und zerbrechlich in ihrer Schönheit, sowohl vom Gesang als auch von der Orchestrierung her. Bei "Songs Of Travel" handelte es sich um Vertonungen von Gedichten des schottischen Nationaldichters Robert Louis Stevenson ("Die Schatzinsel"), die vom Bariton Tobias Scharfenberger hervorragend, mit klarer, kräftiger und leidenschaftlicher Stimme intoniert wurden.

"The Vagabond", "Let Beauty Awake" oder "Youth And Love" hießen die Lieder, die dem Konzertabend auch sein Motto verliehen: "Wohin muss ich wandern?" lautete dies, angelehnt an das Lied "Whither Must I Wander". Der Wanderer in Vaughan Williams' wunderschönen Liedern stellte sich diese Frage indes nur rudimentär - denn in Scharfenbergers großartiger Interpretation schwang immer eine gerade Linie, quasi ein Ziel vor Augen, mit.

Die Symphoniker lieferten zu den mal melancholischen, mal fröhlichen Liedern den passenden musikalischen Überbau, spielerisch auf gewohnt hohem Niveau. Dabei hielten die Musiker sich zurück, setzten farbtupferartige Akzente und gaben Scharfenberger zudem allen Raum, den seine enorm ausdrucksstarke und voluminöse Stimme benötigte. Ein Liederzyklus von nur etwa einer guten halben Stunde Dauer - aber mit einem langen Nachhall, der einen auch noch über die Pause hinweg begleitete.

Der zweite Teil des Abends gehörte dem großen Gustav Mahler, dessen erste Symphonie in D-Dur, auch als "Titanen-Symphonie" bekannt, zum Besten gegeben wurde. Die 1888 in Leipzig komponierte Symphonie beginnt langsam, beinahe ein wenig melancholisch, aber weit weniger schwer als man bei Gustav Mahler meinen würde. Im Gegenteil, ist doch gerade der erste Satz von einer geradezu beschwingten Leichtigkeit geprägt. Die Bergischen Symphoniker spielten unter der souveränen Leitung von Heiko Mathias Forster auf gewohnt hohem Niveau - auf dem es in der kommenden Spielzeit gerne weitergehen kann.

Quelle: RP
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