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Remscheid
"Wir müssten die Eltern wegsperren"

Remscheid. Der Kriminologe Jens Weidner hielt beim Damensymposium der Volksbank einem Vortrag zur Jugendkriminalität. Fazit: Um-erziehung von Intensivtätern ist harte Arbeit. Von Stefanie Bona

Dass die Jugendkriminalität in Deutschland in den letzten zehn Jahren um rund 25 Prozent zurückgegangen ist, sei auf eine Reihe von Maßnahmen zurückzuführen, sagte Professor Jens Weidner (), Dozent für Kriminologie und Erziehungswissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hannover, beim zehnten Damensymposium der Volksbank Remscheid-Solingen. So sei die enge Kooperation von Polizei, Justiz, Jugendhilfe und Schule ein zielführendes Programm.

"Ich habe gehört, diese Zusammenarbeit gibt es auch in Remscheid", nahm der Referent Bezug auf ein Modellprojekt, das vor Ort durch eine schnelle Reaktion jugendlichen Straftätern die "Gelbe Karte" aufzeigt und sie damit die Konsequenz auf ihr Vergehen unmittelbar spüren lässt. Zu den Delinquenten durchzudringen, sei indes gerade bei jungen Intensivtätern schwer, erläuterte der Kriminologe, der mit seinen anschaulichen Ausführungen zum Thema Jugendkriminalität und -gewalt die Zuhörerinnen in seinen Bann zog. Mit Sachverstand und gleichzeitig kurzweilig berichtete er von seinen Erfahrungen, die er in den von ihm selbst entwickelten Therapieprogrammen mit der schwierigen Klientel gemacht hat. Mit seinen Anti-Aggressivitäts-Trainings werden knapp 3000 Schläger pro Jahr in Deutschland behandelt. Sozialforschung hat der Experte zudem in einem Jugendgefängnis in den USA betrieben. Seine Einschätzung: "Intensivtäter machen uns massive Probleme. Sie sind allesamt katastrophal erzogen, wurden nicht geliebt und gering geschätzt." Von derlei Ablehnung durch Mutter und Vater erholten sich junge Menschen nicht. Sie würden aggressiv, depressiv und schließlich gewalttätig. "Eigentlich müssten wir diese Eltern wegsperren", lautete sein ernüchterndes Fazit. Bei allem Verständnis für die schwierigen Lebensumstände der Mehrfachtäter müsse ihnen trotzdem etwas entgegengesetzt werden. Sein Erfolgsrezept dabei ist eine konfrontative Pädagogik, mit der er den Tätern begegnet. Um sie zur Umkehr und einem gesetzeskonformen Leben zu bewegen, "müssen Sie das pädagogisch psychologische Kaugummi am Turnschuh der Gewalttäter sein." Soll heißen: Mit ein paar Therapiesitzungen und freundlichen Ermahnungen ist es bei dieser Tätergruppe nicht getan. Eine gewisse "Bisshaltung", Durchhaltevermögen und die Konfrontation mit dem Leid der Opfer sei notwendig, um den jungen Menschen, die an einer Verhaltensänderung häufig überhaupt kein Interesse hätten, vielleicht doch zum Umdenken zu motivieren.

Von Volksbank-Vorstandsvorsitzenden Andreas Otto auf die Gewaltexzesse der Silvesternacht in Köln angesprochen, äußerte Weidner die Hoffnung, dass sich so etwas in dieser Intensität nicht mehr wiederholen wird. "Die Behörden werden härter durchgreifen. Außerdem werden die Kulturtrainings Wirkung zeigen. "Eine gute Integration heißt: Kriminalität nimmt ab", lautete seine Prognose.

Quelle: RP
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