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Remscheid
Wissensdurst seit über 70 Jahren

Remscheid: Wissensdurst seit über 70 Jahren
Bei gutem Wetter blickt Wilfried Milz in seinem garten in die Zeitung. "Ich bin mit ihr großgeworden", erzählt der 81-Jährige. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Seit dem Kriegsende liest Wilfried Milz die Bergische Morgenpost. Berichte historischer Ereignisse hat er zuhause archiviert. Seine Liebe zum Gedruckten will er nun auch an seine Enkel weitergeben. Von Tim Specks

Wilfried Milz erinnert sich noch sehr genau. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abonnierten seine Eltern das Lenneper Kreisblatt - ein Glücksfall für den damals zwölfjährigen Jungen, der schon in jungen Jahren einen enormen Wissensdurst an den Tag legte. "Ich habe mich schon in meiner Jugend sehr für Geschichte interessiert", erzählt Milz. "Deswegen habe ich immer zuerst die Politik-Seiten aufgeschlagen."

Über 70 Jahre ist das nun her - bis heute aber hat sich daran nichts geändert. Jeden Tag beginnt Milz mit dem Blick in die Bergische Morgenpost, den Nachfolger des Blattes, das seine Eltern 1946 abonnierten. "Meine Frau Bärbel hat meistens schon vor mir in die Zeitung geblickt und kann sich dann schon über gewisse Themen aufregen", schmunzelt Milz. Wie schon in seiner Jugend liest der heute 81-Jährige zu allererst den Politik-Teil. "Aber natürlich auch den Sport und den lokalen Teil aus Remscheid", erklärt der Remscheider, der erst vor vier Jahren in Rente ging und seine Berufslaufbahn als Kaufmann mit 77 Jahren beendete.

Das morgendliche Ritual ist dasselbe geblieben, der Blick in die Zeitung aber ist mittlerweile ein anderer als noch in den 40er Jahren, erklärt Milz. "Heute ist alles viel detaillierter aufgeschrieben. Mehr Leute beschäftigen sich mit einem Thema, die Probleme werden viel hintergründiger aufgearbeitet."

Milz ist der Zeitung all die Jahre treu geblieben - auch, wenn er manchmal nicht mit allem einverstanden ist, was er liest. "Ich glaube, manches wird heute zu sehr aufgebauscht. Das gilt nicht nur für die Zeitung, sondern auch für das Radio oder das Fernsehen."

70 Jahre Zeitung sind eine lange Zeit - doch an manchen prägenden Moment erinnert sich Milz noch heute. Der Korea-Krieg etwa oder der Mauerfall seien Augenblicke gewesen, in denen der Blick ins Blatt ein ganz besonderer war.

Der Wissensdurst, den Milz sich bis heute bewahrt hat, scheint in der Familie zu liegen: Sein Sohn Thomas ist Auslandskorrespondent für den Hörfunk in Brasilien.

Für seine Enkel archiviert Milz häufig Berichte über historische Ereignisse. Seine Begeisterung für die Zeitung hat Milz sogar einmal dazu gebracht, ein Schulprojekt anzustoßen. "Ich habe 30 Zeitungen in der Schulklasse meiner Enkelin verteilt. Der Lehrer fand das ganz toll und hat die Zeitung dann im Unterricht behandelt", so Milz. Nicht nur seine Neugier, auch seine Vorliebe zum Gedruckten will Milz vor allem an seine Enkel weitergeben. "Ich sage oft zu meiner Enkelin: ,Es ist doch etwas ganz anderes, ob ich eine gedruckte Zeitung in der Hand halte, oder mich im Internet informiere.'"

Recht hat er.

Quelle: RP
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