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Remscheid
Wohlfühltexte mit Untertönen

Remscheid. Der Remscheider Julius Schmidt ist als Poetry-Slamer auf Erfolgskurs. Von Hagen Thiele

Manchmal reichen schon kurze Redensarten oder kleine Alltagsgeschehnisse aus, um die kreative Ader von Julius Schmidt in Gang zu setzen. Der 21-jährige Remscheider nahm mit einem seiner Texter vor gut einem halben Jahr beim Poetry Slam in der ErlebBar teil und belegte auf Anhieb den zweiten Platz. Sein Konzept, Wohlfühl-Texte zum Nachdenken zu verfassen, geht auf. Auch bei den folgenden Slams konnte er im dichterischen Wettkampf Erfolge erzielen.

Zweimal der zweite Platz in der Erlebbar und Siege bei den Slams an der Kölner Sporthochschule und in Halver: Julius Schmidt trifft mit seinen Texten fernab plakativer Unterhaltungswerte den Nerv der Poetry Slam-Freunde. "Ich möchte versöhnliche Texte schreiben, die zwar zum Nachdenken anregen, aber nicht den moralischen Zeigefinger heben", sagt er. Diese feine Linie zwischen Moralkeule und cleverem Text beschreitet sein Werk "Wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen" souverän. Das bescherte ihm im März dieses Jahres in der ErlebBar den Senkrechtstart. Aus der bekannten Redensart machte der Sportstudent eine Fabel, die die Utopie einer friedlichen Gemeinschaft zeichnete - und das fernab vom Kitsch. Zwar möge er auch lustige Beiträge beim Poetry Slam, aber das wäre nicht sein Metier und er möge es, wenn die Wettbewerbe stilistisch breiter gefächert seien.

Außer auf Redensarten, aus denen Schmidt den Stoff für seine Texte zieht, greift er auf das wirkliche Leben zurück. Der 21-Jährige arbeitet neben dem Studium an der Kölner Sporthochschule abends in einer Bar. "Ich bin in der Nacht einfach kreativer", sagt der junge Remscheider. Entsprechend einfach fällt es ihm, nach der Arbeit noch Zeilen zu Papier zu bringen. "Ich schreibe nie bewusst auf ein gewisses Datum hin, sondern nur dann, wenn ich Lust dazu habe", betont Schmidt. Obwohl Studium, die Arbeit und Poety Slam schon einigen Raum in Anspruch nehmen, bleibt ihm noch genug Freizeit für seine große Leidenschaft, den Sport. Außerdem unternimmt er gerne Abstecher in die Natur ode schreibt auch einfach nur mal Texte für sich selbst. Für die Zukunft wünscht der junge Poetry-Slamer sich, mehr Auftritte bestreiten zu können. "Ich freue mich sehr über Anfragen", sagt er. Da ihm das Schreiben im Blut liege, wäre sein großer Wunsch eine Buchveröffentlichung. "Ich arbeite schon daran, dafür Geschichten zusammenzustellen, die in eine andere Richtung als meine Texte für den Poetry Slam gehen", sagt Julius Schmidt.

Quelle: RP
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